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Latinismen

Was sind Latinismen? – Aufklärung, Beispiele

Was sind Latinismen? Das wird fast jeder vielleicht nur durch Raten beantworten können und erahnen, was es bedeutet. Aber jeder hat sicher schon mal mit solchen Wörtern zu tun gehabt. Was sind Latinismen und was sind Beispiele?

Was sind Latinismen

Als Latinismen werden Wörter, Redewendungen und Strukturen zusammengefasst, die aus dem Lateinischen stammen und sich in anderen Sprachen wiederfinden. Meistens sind es oft Fremdwörter aus dem Lateinischen, die sich nach und nach in die Sprache eingegliedert haben und nicht mehr als solche zu erkennen sind. Sie kommen in fast allen europäischen Sprachen mehr oder weniger häufig vor und sind entweder klar erkennbar oder überhaupt nicht.

Wieso so verbreitet?

Das Römische Imperium hatte eine Ausdehnung, die sich fast über die ganze damals bekannte Welt erstreckte und entsprechend groß war der Einfluss der Römer. Ihre Machtstellung konnte für viele Jahrhunderte nicht gebrochen oder auch nur angekratzt werden. Sie besiegten alle anderen früheren Großreiche und Imperien und dominierten den Mittelmeerraum. Das Mittelmehr hieß auch nicht umsonst „unser Meer“ bei den Römern. Und dieser Einfluss schlug sich auch in der Sprache nieder. Zwar konnten die Römer nicht jeden Winkel Europas erobern und besetzen, doch der Austausch blieb natürlich bestehen. Man handelte, man kämpfe miteinander, Gefangene gingen in die eine und die andere Richtung. Und damit tauschte man auch Begriffe aus.

Viele Sprachen basieren auf dem Lateinischen. Das Italienische relativ direkt und auch alle anderen Sprachen sind stark beeinflusst, vor allem die romanischer Art. Und die germanischen Sprachen haben ebenfalls so viele Einflüsse es einstmals so mächtigen Latein, dass ohne sie eine Weiterentwicklung der eigenen Sprache kaum möglich schien.

Es war auch vorteilhaft, dass die weit entwickelten Römer schon Begriffe für alles mögliche hatten. Warum selbst etwas ausdenken, wenn es schon eine perfekte Vorlage gibt? Wenn die Römer schon die perfekte und griffigste Bezeichnung für etwas hatten, was man zuvor gar nicht kannte? Der Siegeszug der Latinismen war damit kaum noch aufzuhalten.

Beispiele

Es gibt etliche Beispiele dafür, dass sich das Lateinische in den anderen Sprachen breitgemacht hat, dass Wörter entlehnt wurden und dass man sie sich durch Lautverschiebungen angepasst hat. Man erkennt sie nicht mehr komplett, aber wenn man es weiß, ist die Verwandtschaft der Sprachen und Wörter nicht mehr zu leugnen.

So ist das lateinische „Campus“ nicht nur der Platz der Universitäten, sondern man hat daraus im Germanischen „Kampf“ gemacht. Auch erkennbar im Wort Champ, also jemand, der für jemanden früher auf einem Platz gekämpft hat.

„Moneta“ bedeutete nichts weiter als „Münze“ und so fand auch dieses Wort seinen Weg in andere Sprachen. „Monetär“ oder „Moneten“ werden noch heute für Geld oder Geldangelegenheiten verwendet.

Auch direkte Redewendungen werden noch immer genutzt und jeder weiß, was damit gemeint ist. „Ad acta“ heißt nichts anders als „zu den Akten“ und bedeutet etwa, dass man etwas abschließt und weglegen möchte. Der Fall ist geschlossen, sozusagen.

Es gibt noch unzählige weiter Beispiele: Akte, Konferenz, Advokat, Jura, Sekunde, Professor, Socke, Kaiser und noch viele mehr.

Bildungssache

Lange galt es zum guten Ton, Latein zu sprechen, es zu können, lateinische Redewendungen und Weisheiten von sich zu geben. Das war für viele Jahrhunderte auch nach dem Untergang der Römer längst etabliert. Die Kirche predigte lange auf Latein, auch noch tausend Jahre nach dem Römischen Reich. Gebildete Schichten, die sich als Humanisten verstanden, sprachen auch noch bis ins 20. Jahrhundert Latein miteinander. Es hatte lange Zeit den Glanz der Ursprünglichkeit, des Wahren, der „guten, alten Zeit“. Man wollte sich damit vom normalen Menschen, dem „Pöbel“ abgrenzen und meinte, damit die ideale des Humanismus zu vertreten und merkte nicht, dass man selbst einer gewissen Dekadenz zum Opfer gefallen ist wie die Römer einst selbst.

Denkmal für die Römer

Dass man noch so viele Wörter nutzt, ist in gewisser Weise ein Denkmal und eine Würdigung für das Römische Reich, ihren Erfindungsreichtum und ihre Kultur. Diese war damals sehr wissbegierig, entwickelt und reif für eine neue Stufe. Und daraus speisten sich Wörter für weniger entwickelte Regionen der Erde und damit waren die Römer mit ihrer Sprache quasi Starthilfe für weitere Sprachen, neue Sprachen und neue Zivilisationen, die das Erbe der Römer unwissend weitertragen konnten, als dieses Reich untergegangen ist. Noch heute ist kaum eine europäische Sprache ohne Latinismen und Rom undenkbar.