Ambivalent: Bedeutung, Herkunft und Beispiele

Aktualisiert: Oktober 2026 · Latinismus

Kurz erklärt

  • Ambivalent bedeutet „zwiespältig“: Man hat zu einer Sache zugleich gegensätzliche Gefühle oder Bewertungen, zum Beispiel Vorfreude und Angst.
  • Auch Dinge können ambivalent sein, wenn sie gleichzeitig gute und schlechte Seiten haben.
  • Nicht verwechseln mit ambig (mehrdeutig): Ambivalent betrifft Gefühle und Wertungen, ambig die Bedeutung.
Wortart Adjektiv; Substantiv: die Ambivalenz, Plural: Ambivalenzen
Aussprache [am-bi-wa-LENT]
Herkunft lateinisch ambi- „beide, doppelt“ und valere „gelten, Kraft haben“
Synonyme zwiespältig, widersprüchlich, gespalten, hin- und hergerissen, doppelwertig
Gegenteil eindeutig, klar, entschieden, einhellig
Sprachebene bildungssprachlich, Fachwort der Psychologie

Bedeutung

  1. Bei Gefühlen und Haltungen: Jemand ist einer Sache gegenüber ambivalent, wenn Zuneigung und Ablehnung, Hoffnung und Sorge gleichzeitig vorhanden sind. Typisch: „Ich habe ambivalente Gefühle zu dem Umzug.“ Gemeint ist nicht Gleichgültigkeit, sondern im Gegenteil ein inneres Ziehen in zwei Richtungen.
  2. Bei Sachen und Entwicklungen: Eine Sache ist ambivalent, wenn sie sowohl positive als auch negative Wirkungen hat. Ein bekanntes Beispiel ist die Ambivalenz der Technik: Dasselbe Werkzeug kann nützen und schaden.

Herkunft

Das Wort ist eine neulateinische Bildung aus ambi- „beide, nach beiden Seiten“ (wie in „ambidexter“, beidhändig) und valere „gelten, wert sein, stark sein“ (wie in „Valenz“ und „Äquivalent“). Wörtlich also: „nach beiden Seiten Geltung haben“. Geprägt hat den Begriff Ambivalenz der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er beschrieb damit das gleichzeitige Nebeneinander gegensätzlicher Gefühle, Wünsche und Gedanken. Von der Psychiatrie aus wanderte das Wort in die Alltags- und Bildungssprache.

ambi- (beide) + valere (gelten)Umzug in eineneue StadtVorfreudeneuer Job, AbenteuerSorgeFreunde, Familiebeides zugleich und gleich stark = ambivalent
Infografik: Ambivalenz bedeutet, dass zwei gegensätzliche Gefühle gleichzeitig an derselben Sache hängen.

Verwendung

„Ambivalent“ ist ein bildungssprachliches Wort, das in Gesprächen über Gefühle, in Rezensionen, politischen Kommentaren und Fachtexten vorkommt. Typische Verbindungen sind „ambivalente Gefühle“, „ein ambivalentes Verhältnis zu etwas haben“, „ambivalent reagieren“ und „die Bilanz fällt ambivalent aus“. Das Wort ist neutral: Es wertet nicht, sondern beschreibt eine gemischte Lage. Im lockeren Gespräch sagt man eher „gemischte Gefühle“ oder „ich bin hin- und hergerissen“.

Beispiele

  • Viele Eltern erleben den ersten Schultag ihres Kindes ambivalent: stolz und ein bisschen wehmütig.
  • Zu seiner Heimatstadt hat er ein ambivalentes Verhältnis.
  • Die Kritiken zum neuen Film fallen ambivalent aus.
  • Soziale Medien werden in der Studie als ambivalent beschrieben: Sie verbinden und isolieren zugleich.
  • Ihre Reaktion auf das Angebot war ambivalent, sie bat um Bedenkzeit.
  • Diese Ambivalenz zwischen Nähe und Freiheit begleitet viele Beziehungen.

Synonyme und Gegenteile

Wort Nuance
zwiespältig deutsche Entsprechung, passt fast immer
hin- und hergerissen umgangssprachlich, betont das innere Ringen
gespalten stärker, oft für Meinungen oder Gruppen
widersprüchlich betont den logischen Gegensatz, weniger das Gefühl
gemischt alltäglich: „gemischte Gefühle“
eindeutig (Gegenteil) nur eine klare Richtung
entschieden (Gegenteil) Haltung ohne Zweifel
Typische Fehler: Ambivalent heißt nicht „gleichgültig“ oder „unentschlossen aus Desinteresse“. Wer ambivalent ist, fühlt viel, nur in zwei Richtungen. Auch „ambig“ (mehrdeutig, unklar in der Bedeutung) ist etwas anderes: Ein Satz ist mehrdeutig, ein Gefühl ambivalent. Schreibweise: mit v, „ambivalent“, nicht „ambiwalent“.
Merksatz: Ambi heißt beide: Bei ambivalent gelten beide Seiten zugleich.

Häufige Fragen

Was bedeutet ambivalente Gefühle?
Gleichzeitige, gegensätzliche Gefühle gegenüber derselben Person oder Sache, etwa Liebe und Ärger oder Freude und Angst.
Ist ambivalent negativ?
Nein. Das Wort beschreibt neutral eine gemischte Lage. Ambivalenz gilt in der Psychologie als normaler Teil des Erlebens; problematisch wird sie erst, wenn sie dauerhaft lähmt.
Was ist das Gegenteil von ambivalent?
Eindeutig, klar oder entschieden. In der Psychologie spricht man auch von einer eindeutigen oder einwertigen Haltung.
Was ist der Unterschied zwischen ambivalent und ambig?
Ambivalent betrifft Gefühle und Bewertungen (zwiespältig), ambig die Bedeutung von Wörtern oder Aussagen (mehrdeutig).

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