- Ambivalent bedeutet „zwiespältig“: Man hat zu einer Sache zugleich gegensätzliche Gefühle oder Bewertungen, zum Beispiel Vorfreude und Angst.
- Auch Dinge können ambivalent sein, wenn sie gleichzeitig gute und schlechte Seiten haben.
- Nicht verwechseln mit ambig (mehrdeutig): Ambivalent betrifft Gefühle und Wertungen, ambig die Bedeutung.
| Wortart | Adjektiv; Substantiv: die Ambivalenz, Plural: Ambivalenzen |
|---|---|
| Aussprache | [am-bi-wa-LENT] |
| Herkunft | lateinisch ambi- „beide, doppelt“ und valere „gelten, Kraft haben“ |
| Synonyme | zwiespältig, widersprüchlich, gespalten, hin- und hergerissen, doppelwertig |
| Gegenteil | eindeutig, klar, entschieden, einhellig |
| Sprachebene | bildungssprachlich, Fachwort der Psychologie |
Bedeutung
- Bei Gefühlen und Haltungen: Jemand ist einer Sache gegenüber ambivalent, wenn Zuneigung und Ablehnung, Hoffnung und Sorge gleichzeitig vorhanden sind. Typisch: „Ich habe ambivalente Gefühle zu dem Umzug.“ Gemeint ist nicht Gleichgültigkeit, sondern im Gegenteil ein inneres Ziehen in zwei Richtungen.
- Bei Sachen und Entwicklungen: Eine Sache ist ambivalent, wenn sie sowohl positive als auch negative Wirkungen hat. Ein bekanntes Beispiel ist die Ambivalenz der Technik: Dasselbe Werkzeug kann nützen und schaden.
Herkunft
Das Wort ist eine neulateinische Bildung aus ambi- „beide, nach beiden Seiten“ (wie in „ambidexter“, beidhändig) und valere „gelten, wert sein, stark sein“ (wie in „Valenz“ und „Äquivalent“). Wörtlich also: „nach beiden Seiten Geltung haben“. Geprägt hat den Begriff Ambivalenz der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er beschrieb damit das gleichzeitige Nebeneinander gegensätzlicher Gefühle, Wünsche und Gedanken. Von der Psychiatrie aus wanderte das Wort in die Alltags- und Bildungssprache.
Verwendung
„Ambivalent“ ist ein bildungssprachliches Wort, das in Gesprächen über Gefühle, in Rezensionen, politischen Kommentaren und Fachtexten vorkommt. Typische Verbindungen sind „ambivalente Gefühle“, „ein ambivalentes Verhältnis zu etwas haben“, „ambivalent reagieren“ und „die Bilanz fällt ambivalent aus“. Das Wort ist neutral: Es wertet nicht, sondern beschreibt eine gemischte Lage. Im lockeren Gespräch sagt man eher „gemischte Gefühle“ oder „ich bin hin- und hergerissen“.
- Viele Eltern erleben den ersten Schultag ihres Kindes ambivalent: stolz und ein bisschen wehmütig.
- Zu seiner Heimatstadt hat er ein ambivalentes Verhältnis.
- Die Kritiken zum neuen Film fallen ambivalent aus.
- Soziale Medien werden in der Studie als ambivalent beschrieben: Sie verbinden und isolieren zugleich.
- Ihre Reaktion auf das Angebot war ambivalent, sie bat um Bedenkzeit.
- Diese Ambivalenz zwischen Nähe und Freiheit begleitet viele Beziehungen.
Synonyme und Gegenteile
| Wort | Nuance |
|---|---|
| zwiespältig | deutsche Entsprechung, passt fast immer |
| hin- und hergerissen | umgangssprachlich, betont das innere Ringen |
| gespalten | stärker, oft für Meinungen oder Gruppen |
| widersprüchlich | betont den logischen Gegensatz, weniger das Gefühl |
| gemischt | alltäglich: „gemischte Gefühle“ |
| eindeutig (Gegenteil) | nur eine klare Richtung |
| entschieden (Gegenteil) | Haltung ohne Zweifel |
Häufige Fragen
Was bedeutet ambivalente Gefühle?
Ist ambivalent negativ?
Was ist das Gegenteil von ambivalent?
Was ist der Unterschied zwischen ambivalent und ambig?

Mein Name ist Anatoli Bauer und ich wohne ganz im Norden von Deutschland an der Nordseeküste in Husum. 1997 bin ich mit 9 Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Seitdem habe ich mich leidenschaftlich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigt und irgendwann ist die Idee zu einer Sammlung von Erklärungen für Fachwörter und Fremdwörter entstanden. Nun befinden sich hier auf Fachwort24.net über 500 Erklärungen für Fachwörter und die Sammlung wird regelmäßig erweitert.








