- Carpe diem ist Latein und heißt wörtlich Pflücke den Tag, sinngemäß Nutze den Tag.
- Der Satz stammt vom römischen Dichter Horaz (Oden, Buch 1, Gedicht 11, um 23 v. Chr.).
- Man gebraucht ihn als Aufforderung, die Gegenwart bewusst zu leben, statt alles auf später zu verschieben.
| Art | lateinische Redewendung, geflügeltes Wort |
|---|---|
| Aussprache | [KAR-pe DI-em] |
| Herkunft | Horaz, Carmina (Oden) I,11 |
| Wörtlich | Pflücke den Tag |
| Sinn | Genieße und nutze den heutigen Tag |
| Ähnliche Ausdrücke | Lebe im Hier und Jetzt, YOLO, Memento mori |
Was bedeutet carpe diem?
Carpe ist die Befehlsform von carpere, pflücken, abpflücken, genießen. Diem ist der Akkusativ von dies, Tag. Das Bild dahinter: Den Tag soll man pflücken wie eine reife Frucht, solange sie da ist. Gemeint ist nicht hektische Betriebsamkeit, sondern bewusster Genuss des Augenblicks, weil niemand weiß, was morgen kommt.
Im heutigen Deutsch steht carpe diem meist für eine Lebenshaltung: Chancen ergreifen, das Leben genießen, nicht nur für eine unbestimmte Zukunft leben. Man findet den Spruch auf Tassen, Postkarten und als Tattoo, aber auch in Reden und Glückwünschen.
Herkunft: das vollständige Zitat
Der Satz steht am Ende eines kurzen Gedichts des Horaz (Quintus Horatius Flaccus, 65 bis 8 v. Chr.). Der Sprecher rät einer Frau namens Leukonoe, nicht in den Sternen nach der Zukunft zu forschen, sondern den Wein zu klären und kurze Hoffnungen zu hegen. Die Zeile lautet vollständig:
carpe diem, quam minimum credula postero – Pflücke den Tag und vertraue möglichst wenig auf den folgenden.
Bei Horaz klingt also ein Gedanke mit, der oft unterschlagen wird: Die Zukunft ist ungewiss, deshalb soll man nicht alles auf sie setzen. Das passt zur Philosophie Epikurs, die maßvollen Genuss und Seelenruhe empfahl, nicht Ausschweifung. Bekannt wurde der Ausdruck in jüngerer Zeit auch durch den Film Der Club der toten Dichter (1989), in dem der Lehrer John Keating seine Schüler mit carpe diem zum eigenständigen Denken ermutigt.
Verwendung heute
Carpe diem wirkt bildungssprachlich, ist aber so bekannt, dass man es auch im Alltag verwenden kann. Es passt als Motto, als aufmunternder Zuruf oder als Abschluss einer Rede. In ernsten Situationen kann es zu leicht klingen. Großgeschrieben wird nur am Satzanfang: Carpe diem! Im Satz ist die Kleinschreibung üblich, als Substantivierung auch das Carpe-diem-Gefühl.
- Das Wetter ist herrlich, also carpe diem: Wir gehen an den See.
- Nach der Prüfung hat sie sich gesagt: Carpe diem, und ist spontan verreist.
- Sein Lebensmotto lautet carpe diem, trotzdem plant er seine Rente sehr genau.
- Die Abschlussrede endete mit einem Carpe diem an die Absolventen.
- Carpe diem heißt nicht, alle Vernunft über Bord zu werfen.
Ähnliche Ausdrücke
| Ausdruck | Nuance |
|---|---|
| Nutze den Tag | deutsche Wiedergabe, etwas tatkräftiger als das Original |
| Lebe im Hier und Jetzt | betont Achtsamkeit und Gegenwart |
| YOLO (You only live once) | jugendsprachlich, oft als Rechtfertigung für Riskantes |
| Memento mori | Gedenke, dass du sterblich bist – die ernste Kehrseite |
| Tempus fugit | Die Zeit flieht, eine Feststellung statt Aufforderung |
Häufige Fragen
Wer hat carpe diem gesagt?
Was ist der Unterschied zwischen carpe diem und YOLO?
Wie spricht man carpe diem aus?
Was ist das Gegenteil von carpe diem?
Weitere lateinische Lebensweisheiten: Dum spiro spero, Per aspera ad astra und Veni, vidi, vici.

Mein Name ist Anatoli Bauer und ich wohne ganz im Norden von Deutschland an der Nordseeküste in Husum. 1997 bin ich mit 9 Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Seitdem habe ich mich leidenschaftlich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigt und irgendwann ist die Idee zu einer Sammlung von Erklärungen für Fachwörter und Fremdwörter entstanden. Nun befinden sich hier auf Fachwort24.net über 500 Erklärungen für Fachwörter und die Sammlung wird regelmäßig erweitert.








