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Was bedeutet paradox? – Aufklärung, Beispiele & Synonyme

Was bedeutet paradox

Es ist wohl wirklich paradox, wenn vegan lebende Menschen Schmetterlinge im Bauch haben. Aber auch nicht weniger widersinnig, wenn sich ein Glatzkopf die Haare rauft. Viele kennen solche Wortspiele, die Beispiel für den Begriff „paradox“ sein sollen. Um herauszufinden, ob die Bedeutung wirklich darin zu finden ist, lohnt ein genauer Blick.

Herkunft und Bedeutung

Zurück geht das Fremdwort auf die griechischen Begriffe „para“ und „doxa“. Wörtlich übersetzt bedeutet es: „Neben (außerhalb) der (allgemeine) Meinung/ dem (allgemeinen) Glauben“. Ein Paradoxon zeigt also eine Nebenbedeutung, einen tieferen Sinn hinter einer Aussage auf. Der Widerspruch, der auf den ersten Blick da ist, lässt sich also auflösen – zumindest meist.

Allgemeiner Sprachgebrauch

Viele verwenden das Fremdwort für eine vermeintlich unsinnige oder ihrer Meinung widersprechende Aussage. Das entspricht zwar dem griechischen Wortstamm, „para“ kann auch mit „entgegen“ übersetzt werden, lässt aber einen wichtigen Aspekt außer Acht: Ein Paradoxon enthält in sich einen (scheinbaren) Widerspruch. Deswegen sind der Veganer mit den Schmetterlingen im Bauch und der Haare raufende Glatzkopf tatsächlich Paradoxa. Diese lassen sich allerdings schnell auflösen, setzt man voraus, dass es sich hierbei um bildhafte Umschreibungen mit einem tieferen Sinn handelt. Kein Paradoxon ist demnach die Aussage, dass der vegan lebende Mensch verliebt ist und sich der Mensch ohne Kopfhaar maßlos ärgert.

Beispiele und Anwendung

Nicht immer lassen sich paradoxe Aussagen so einfach auflösen. Als Beispiel dient die Aussage: „Ich lüge gerade“. Lügt die Person tatsächlich, dann müsste sie sagen: „Ich sage gerade die Wahrheit“. Sagt die Person allerdings die Wahrheit, widerspricht sie sich selbst. Diese Form des Paradoxons wird in der Philosophie als Lügenparadoxon bezeichnet. Philosophen haben überhaupt das Paradoxon schon früh für sich entdeckt und diskutiert. So findet sich ein antikes Beispiel in dem Satz: „Epimenides, der Kreter, sagt: Alle Kreter sind Lügner.“

Auch in der Theologie lassen sich bereits im Mittelalter überspitzte Aussagen finden, die auf das Stilmittel der Paradoxie zurückgreifen. Berühmtes Beispiel hierfür ist die Frage: Wenn Gott allmächtig ist, kann Gott dann einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass Gott selbst ihn nicht heben kann? Dieses sogenannte Allmachtsparadoxon führte zu einer Diskussion über den Begriff „allmächtig“.

In der Kunst sind illusionäre Bilder zu finden, die den Betrachter geschickt täuschen. Am stärksten wurde dieses Motiv vom Maler M. C. Escher aufgegriffen. Sein Gemälde von dem dauerhaft bergab – und doch in einem Kreislauf – fließenden Wasser lässt den Beobachter ratlos zurück.

Die Psychologie beschäftigt sich mit paradoxer Kommunikation. In Beziehungen kann es widersprüchliche Aussagen geben, die sich bei genauerem Nachdenken als paradox herausstellen. Die Aussage: „Sei doch endlich mal spontan!“ könnte hier als Beispiel genannt werden.

In der Literatur kann das Paradoxon gezielt eingesetzt werden, um eine Aussage zu überzeichnen. So soll der Leser zum Nachdenken über eine Problemstellung angeregt werden. Es kann aber auch eine Geschichte um eine paradoxe Fragestellung herum aufgebaut werden. In der Literatur aus dem Bereich des Science Fiction wird das Großvaterparadoxon als häufiges Motiv aufgegriffen. Vereinfacht ausgedrückt geht es um die Frage: Wenn ich in die Vergangenheit reise und aus Versehen meinen Großvater töte – noch bevor dieser meine Mutter gezeugt hat – bin ich dann in der Gegenwart nicht existent?

Das Paradoxe lässt sich also in vielen Bereichen finden. Es gibt auch mathematische Probleme die scheinbar widersprüchlich und nur mühsam aufzulösen sind.

Synonyme

Das Wort „paradox“ lässt sich schwer durch andere Begriffe ausdrücken, da diese die Bedeutung meist nur annähernd treffen. Am ehesten können wohl folgewidrig, widersinnig, abwegig, verquer und abersinnig als Synonym verwendet werden.

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