- Dekadent bedeutet ursprünglich „im Verfall begriffen“: eine Kultur, Gesellschaft oder ein Lebensstil, der seine Kraft und Werte verliert – meist abwertend gemeint.
- Umgangssprachlich heißt dekadent heute oft „übertrieben luxuriös, genüsslich verschwenderisch“, gern mit Augenzwinkern: ein dekadentes Frühstück mit Champagner.
- Das Substantiv dazu ist die Dekadenz.
| Wortart | Adjektiv: dekadent, dekadenter, am dekadentesten |
|---|---|
| Aussprache | [de-ka-DENT] |
| Herkunft | frz. décadent „verfallend“, zu mlat. decadentia, lat. de „herab“ + cadere „fallen“ |
| Synonyme | verfallen, heruntergekommen, verweichlicht; umgangssprachlich: verschwenderisch, luxuriös, maßlos |
| Gegenteil | aufstrebend, blühend, bescheiden, maßvoll, asketisch |
| Sprachebene | bildungssprachlich; in der Bedeutung „luxuriös“ umgangssprachlich |
Bedeutung
- Im Niedergang, moralisch oder kulturell verfallen: Diese Grundbedeutung ist kritisch. Wer eine Gesellschaft „dekadent“ nennt, unterstellt ihr, dass sie satt, bequem und genusssüchtig geworden ist und ihre Werte verliert. Klassisch ist das Bild vom späten Römischen Reich mit Gelagen und Machtverfall.
- Übertrieben luxuriös, genüsslich maßlos: Im Alltag hat das Wort eine weichere, oft spielerische Bedeutung bekommen. Ein „dekadenter Schokoladenkuchen“ ist einfach sehr reichhaltig, ein „dekadenter Sonntag im Bademantel“ ein bewusst faules Vergnügen. Hier schwingt Selbstironie mit, kaum echte Kritik.
- Kunst und Literatur: Als Dekadenz oder französisch Décadence bezeichnet man eine Strömung des späten 19. Jahrhunderts (Fin de Siècle), die Verfeinerung, Künstlichkeit und Überdruss zum Thema machte. Als Schlüsselroman gilt Joris-Karl Huysmans’ „Gegen den Strich“ (1884); auch Oscar Wilde wird oft dazu gezählt.
Herkunft
Das Wort geht auf das lateinische Verb cadere „fallen“ mit der Vorsilbe de- „herab“ zurück. Im mittelalterlichen Latein entstand daraus decadentia, im Französischen décadence „Verfall“ und das Adjektiv décadent. Ins Deutsche kam „dekadent“ im 19. Jahrhundert, als in Frankreich eine Gruppe von Dichtern die Bezeichnung „Décadents“, zunächst ein Schimpfwort der Kritiker, selbstbewusst übernahm. Verwandt sind Kadenz (in der Musik: der „fallende“ Schluss) und Kaskade.
Verwendung und Sprachebene
In Feuilleton, Politik und Geschichtsschreibung ist „dekadent“ ein Urteil und klingt streng: die dekadente Oberschicht, westliche Dekadenz. Solche Formulierungen werden auch polemisch eingesetzt, um andere Lebensweisen abzuwerten; man sollte sie deshalb bewusst wählen. Im Alltag, in Restaurantkritiken oder Werbung ist das Wort dagegen oft ein Lob für Genuss im Übermaß. Ob Kritik oder Augenzwinkern gemeint ist, zeigt der Zusammenhang: Wer über sich selbst sagt, er sei heute dekadent, meint fast immer harmlosen Genuss. Für reine Pracht ohne Wertung passen komfortabel, luxuriös oder opulent besser.
- „Historiker streiten, ob Rom wirklich an seiner Dekadenz zugrunde ging.“
- „Der Film zeigt die dekadente Partygesellschaft der 1920er-Jahre.“
- „Ein Whirlpool auf dem Balkon? Das ist ja fast schon dekadent.“
- „Zum Geburtstag gab es eine dekadente Torte mit drei Sorten Schokolade.“
- „Er hielt das Leben am Hof für dekadent und zog aufs Land.“
- „Huysmans’ Held Des Esseintes gilt als Inbegriff des dekadenten Ästheten.“
- „Heute bleiben wir dekadent lange im Bett und frühstücken um zwölf.“
Synonyme und Gegenteile
| Wort | Nuance |
|---|---|
| verfallen, im Niedergang | neutralere Beschreibung des Abstiegs |
| verweichlicht, übersättigt | Kritik an Bequemlichkeit und Überfluss |
| ausschweifend | betont maßloses Feiern und Genießen |
| luxuriös, opulent | prächtig und reichhaltig, ohne moralische Wertung |
| verschwenderisch | betont den unnötigen Aufwand |
| maßvoll, bescheiden, aufstrebend | Gegenteile |
Ähnlich vielschichtig sind die Fremdwörter exzentrisch, Nihilismus und Snob.
Häufige Fragen
Ist dekadent eine Beleidigung?
Was bedeutet Dekadenz?
Was heißt „dekadenter Kuchen“?
Hat dekadent etwas mit Dekade zu tun?

Mein Name ist Anatoli Bauer und ich wohne ganz im Norden von Deutschland an der Nordseeküste in Husum. 1997 bin ich mit 9 Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Seitdem habe ich mich leidenschaftlich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigt und irgendwann ist die Idee zu einer Sammlung von Erklärungen für Fachwörter und Fremdwörter entstanden. Nun befinden sich hier auf Fachwort24.net über 500 Erklärungen für Fachwörter und die Sammlung wird regelmäßig erweitert.









