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Was bedeutet „woke“? – Aufklärung, Beispiele & Synonyme

Was bedeutet "woke

In den letzten Jahren hat sich das Wort „woke“ seinen Platz im Sprachgebrauch, in der Medienlandschaft und der persönlichen Haltung vieler Menschen erobert. Sein Wert übersteigt für viele den eines einfachen Wortes. Für viele Menschen bedeutet „woke“ zu sein, eine Haltung einzunehmen, ein Ideal zu verfolgen und für etwas einzustehen. Gleichzeitig gibt es viel Kritik und zuweilen auch ein Belächeln eben jener Menschen.
Was genau also bedeutet „woke“?

Die Bedeutung des Begriffs „woke“

Das Wort „woke“ ist eine Abwandlung des Begriffs „woken“, also dem Partizip Perfekt des englischen Verbs „to wake“.
Übersetzt bedeutet dieses „aufwachen“, oder „wecken“. Somit ist die wörtliche Übersetzung von „woke“, „aufgewacht / wach sein“.

Heute hat sich die Bedeutung gewandelt und steht mehr und mehr für eine besondere Bewusstheit im Bezug auf politische und soziale Ungerechtigkeit. Besonders die Themen Rassismus, Sexismus und andere Formen der Diskriminierung stehen hier im Vordergrund.
Doch genau so wie die Medaille zwei Seiten hat, kann auch der Begriff „woke“ je nach Standpunkt im politischen Spektrum sowohl wohlwollend, als auch kritisch genutzt werden.

Während damit im linken Spektrum überwiegend sehr engagierte, politisch aufgeweckte und aufgeschlossene Personen beschrieben werden, ist es in konservativen Kreisen eine sarkastische Kritik am identitätspolitischen und progressiven Verhalten eben jener. Zusammen mit den Begriffen der politischen Korrektheit und der Cancel Culture werden die Ideale und Motive dieser meist links orientierten Menschen herabgewertet.
Doch auch Vertreter der Linken kritisieren das „woke“ sein für sein teilweise aggressives Vorgehen.

Die Geschichte des Begriffs „woke“

Der Ursprung des Begriffs „woke“ geht bis in die frühe Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Damals gaben ihm Afroamerikaner die Bedeutung eines erhöhten Bewusstseins im Bezug auf soziale Ungerechtigkeit und Unterdrückung.
Gleichzeitig stand er auch für ein aktivistisches, oder gar militantes Eintreten für eben jene Prinzipien.
Verwendet wurde er zu Beginn überwiegend in verschiedenen Songtexten und Artikeln afroamerikanischer Autoren.

Eine Renaissance erlebte der Ausdruck in den vergangenen 15 Jahren.
Zunächst wurde er von der bekannten Soul-Sängerin Erykah Badu im Song „Master Teacher“ ihres 2008 erschienenen Albums „New Amerykah Part One“ aufgegriffen.

Im Zuge zunehmender Proteste und Aufstände zu Beginn des letzten Jahrzehnts wurde der Begriff für viele Menschen in- und außerhalb von Amerika zum Symbol für die Gleichberechtigung, den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und eine aufgeweckte politische Haltung.
Nach einem tödlichen Übergriff der Polizei gegen einen Afroamerikaner im Jahr 2014 wurde der Ausdruck „woke“ zu dem Statement einer Bewegung, die noch heute durch Demonstration und Proteste für ihre Ideale eintritt. Die entstandene Black-Lives-Matter Bewegung griff ihn auf und er verbreitete sich in großen Teilen der Welt.

Heute gibt es neben Black-Lives-Matter auch die LGBTQ Bewegung, verschiedene antirassistische- und feministische Aktivisten, so wie progressive Linke Identitätspolitiker, die sich mit dem „woke“ sein schmücken.

Der Begriff wurde wurde im Jahr 2017 offiziell ins Oxford English Dictionary und 2021 im Duden aufgenommen.

Kritik der „Wokeness“

Heute ist der Begriff genauso wie viele seiner Anhänger in manchen Teilen der Kritik ausgesetzt.
Meist wird er von konservativen, wie Donald Trump, ins Lächerliche gezogen, oder sarkastisch verwendet.

Doch auch Barack Obama mahnte einst, nicht zu „woke“ zu sein. Schließlich sei zu beachten, dass viele derer, die sich „woke“ nennen, ihren Aktivismus darauf beschränken, anderen vorzuwerfen, nicht „woke“ genug zu sein.
Dies führt dazu, dass man sich letztlich nur im Kreis dreht und aus der Illusion einer moralischen Überlegenheit heraus genau so ungerecht und unbewusst agiert, wie man es eigentlich vermeiden wollte.

Weiter gedacht bringt uns eine solche Bewegung zurück in die Ausgrenzung Andersdenkender. Derer, die nicht so „woke“ sind, wie die anderen.
In manchen Kreisen wird der „Wokeness“ gar eine Religiösität zugesprochen.

Viele Journalisten, Autoren und Politiker kritisieren außerdem den perfomativen und identitätspolitischen Charakter der „woken“ Bewegung. Es gelänge ihr nicht, gesellschaftliche Fundamente zu erreichen und somit zu einer natürlichen progressiven Veränderung heranzuwachsen. Kritiker finden sich zuweilen nicht nur am rechten Rand, sondern auch im linken Spektrum wieder.

Im Großen und Ganzen befürwortet eine Mehrheit die dahinterstehenden Ideale und Werte. Dass ein Bewusstsein für Ungerechtigkeit geschaffen wird, sollte im Interesse aller liegen.
Gleichzeitig ist es nicht einfach zu durchschauen, wer diese Bewegungen mit welchem Eigeninteresse unterstützt.
Verschiedene Konzerne beispielsweise betreiben sogenanntes „woke-washing“. Quoten werden eingeführt, soziale Gerechtigkeit wird im Marketing fett unterstrichen, während in der Produktion weiterhin Ausländer, Frauen und Minderjährige für Hungerslöhne arbeiten müssen.

Wichtig ist, dass das „woke“ sein die persönliche Haltung unterstreicht und nicht zum Identitätsmerkmal wird, durch das wir uns moralisch über andere Menschen erheben. Denn der Kern dieser Haltung sollte der Respekt vor allen Menschen sein, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, politischer Gesinnung oder dem Grad an „Wokeness“.

Synonyme zum Begriff „woke“

Inhaltliche kann eine erhöhte Sensibilisierung für soziale Ungerechtigkeit, so wie Aktivität gegen Diskriminierung als Synonym verwendet werden.
Auch die Begriffe „politisch aufgeweckt“, „wach sein“, „erwacht sein“, oder „awake“, „awaken“ im englischen umschreiben den Ausdruck gut.

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