- Paraphieren heißt, ein Schriftstück mit seinem Namenskürzel abzuzeichnen, der sogenannten Paraphe.
- Im Büro bestätigt die Paraphe meist, dass man ein Dokument gelesen oder geprüft hat. Bei Verträgen werden oft alle Seiten paraphiert, damit später keine Seite unbemerkt ausgetauscht wird.
- Im Völkerrecht bedeutet Paraphieren: Die Unterhändler halten den fertig verhandelten Vertragstext fest. Bindend wird der Vertrag erst durch Unterzeichnung und meist Ratifikation.
- Nicht verwechseln mit paraphrasieren (etwas mit eigenen Worten umschreiben).
| Wortart | Verb, schwach: paraphieren, paraphierte, hat paraphiert |
|---|---|
| Aussprache | [pa-ra-FIE-ren], Betonung auf der dritten Silbe |
| Herkunft | französisch parapher, zu paraphe (Namenszug, Handzeichen); letztlich von griechisch paragraphē (Randzeichen) |
| Synonyme | abzeichnen, mit dem Kürzel versehen, gegenzeichnen (je nach Lage) |
| Substantive | die Paraphe, die Paraphierung |
| Sprachebene | bildungssprachlich, Fachsprache von Verwaltung, Recht und Diplomatie |
Was bedeutet paraphieren?
1. Ein Schriftstück mit dem Kürzel abzeichnen
Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet paraphieren, ein Dokument mit einem handschriftlichen Kürzel zu versehen, meist den Initialen oder einem verkürzten Namenszug. Dieses Kürzel heißt Paraphe. Typisch ist das in Behörden, Kanzleien und Unternehmen: Wer ein Schreiben geprüft hat, zeichnet es am Rand ab, bevor es weitergeht. Die Paraphe sagt dann „gelesen“, „geprüft“ oder „einverstanden“.
Bei längeren Verträgen werden häufig alle Seiten paraphiert, die eigentliche Unterschrift steht nur am Ende. So lässt sich später nachweisen, dass jede Seite Teil der vereinbarten Fassung war und nicht nachträglich ausgetauscht wurde.
2. Einen Vertragstext im Völkerrecht festhalten
In der Diplomatie hat paraphieren eine genau umrissene Bedeutung. Wenn Staaten einen Vertrag aushandeln, zeichnen die Verhandlungsführer den fertigen Text am Ende mit ihren Paraphen ab. Damit ist der Wortlaut festgelegt und gilt als authentisch, das Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge nennt die Paraphierung ausdrücklich als eine Form, den Text festzustellen. Völkerrechtlich bindend ist der Vertrag damit in der Regel noch nicht. Es folgen die förmliche Unterzeichnung und meist die Ratifikation durch die Parlamente.
Zeitungsmeldungen wie „Das Abkommen wurde paraphiert“ bedeuten deshalb: Die Verhandlungen sind abgeschlossen, der Text steht, aber der Vertrag gilt noch nicht.
Herkunft
Das Verb wurde aus dem Französischen entlehnt. Dort heißt parapher „mit dem Namenszug versehen“, abgeleitet von paraphe, dem verschnörkelten Schlusszug unter einer Unterschrift oder dem Handzeichen. Das Wort geht über das Mittellateinische auf griechisch paragraphē zurück, ein Zeichen am Rand eines Textes. Dieselbe Wurzel steckt im Wort Paragraf, das ursprünglich ebenfalls ein Randzeichen war.
Verwendung und Sprachebene
Paraphieren ist ein Fachwort. Man findet es in Verwaltungsvorschriften, Kanzleien, Notariaten, Vertragsabteilungen und in der politischen Berichterstattung. Im Alltag sagt man meist schlicht „abzeichnen“ oder „mit dem Kürzel versehen“. In einer E-Mail an Kollegen kann „bitte paraphieren Sie jede Seite“ genauso gut als „bitte zeichnen Sie jede Seite mit Ihrem Kürzel ab“ formuliert werden.
In Behörden gehört die Paraphe zum sogenannten Zeichnungsweg: Ein Schreiben wandert vom Sachbearbeiter über die Referats- oder Abteilungsleitung bis zur zeichnungsbefugten Person, und jede Station hinterlässt ihr Kürzel, oft mit Datum. So ist später nachvollziehbar, wer den Text wann gesehen und gebilligt hat. Viele Verwaltungen nutzen dafür heute elektronische Kürzel in der digitalen Akte, das Prinzip ist aber dasselbe.
Rechtlich gilt grundsätzlich: Wo das Gesetz eine eigenhändige Unterschrift verlangt, reicht ein bloßes Kürzel normalerweise nicht aus. Die Paraphe ist also eher ein Prüf- und Kontrollzeichen als eine Unterschrift. Im Einzelfall kommt es auf die Vereinbarung und die Form des Dokuments an.
- „Bitte paraphieren Sie jede Seite des Mietvertrags und unterschreiben Sie auf der letzten Seite.“
- „Die Außenminister haben das Abkommen paraphiert, die Unterzeichnung ist für den Herbst geplant.“
- „Die Sachbearbeiterin hat den Bescheid geprüft und am Rand paraphiert.“
- „Erst nach der Paraphierung durch die Abteilungsleitung darf das Schreiben das Haus verlassen.“
- „Seine Paraphe besteht nur aus zwei schnellen Strichen.“
- „Der Vertragsentwurf wurde paraphiert, damit beide Seiten wissen, welche Fassung gilt.“
Synonyme und verwandte Begriffe
| Begriff | Nuance |
|---|---|
| abzeichnen | alltagssprachliches Gegenstück, bedeutet dasselbe |
| mit dem Kürzel versehen | neutrale Umschreibung |
| gegenzeichnen | eine zweite Person bestätigt mit, etwa nach dem Vier-Augen-Prinzip |
| unterzeichnen | mit vollem Namen unterschreiben, rechtlich stärker |
| ratifizieren | einen Staatsvertrag förmlich in Kraft setzen |
| vidieren (österr.) | ein Schriftstück als geprüft abzeichnen |
Wer mit amtlichen Schreiben zu tun hat, begegnet ähnlichen Fachwörtern, etwa bei einer Sachstandsmitteilung oder in der Rolle eines Prokuristen, der für ein Unternehmen zeichnen darf.
Häufige Fragen
Ist ein paraphierter Vertrag gültig?
Was ist eine Paraphe?
Was ist der Unterschied zwischen paraphieren und unterschreiben?
Warum paraphiert man jede Seite?

Mein Name ist Anatoli Bauer und ich wohne ganz im Norden von Deutschland an der Nordseeküste in Husum. 1997 bin ich mit 9 Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Seitdem habe ich mich leidenschaftlich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigt und irgendwann ist die Idee zu einer Sammlung von Erklärungen für Fachwörter und Fremdwörter entstanden. Nun befinden sich hier auf Fachwort24.net über 500 Erklärungen für Fachwörter und die Sammlung wird regelmäßig erweitert.









