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Warum sagt man „unter ferner liefen“? – Bedeutung, Herkunft

Warum sagt man "unter ferner liefen"

Die Redewendung bedeutet: nicht zu den Spitzenkräften gehörend, belanglos und uninteressant. 1896 taucht der Ausspruch erstmals im englischen Pferderennsport auf. Die Wettbüros bejubelten früher ausschließlich die ersten drei bis vier Pferde namentlich. Die letzten Ränge listeten sie in einer Extrasparte als also unter. Das besagt: Außer den Siegern nahmen am Rennen folgende Pferde teil – ins Deutsche überliefert: ferner liefen.

Zusammensetzung der Redewendung unter ferner liefen

Jedes der drei Wörter hat im Einzelnen eine Geltung: Unter bedeutet weniger als. Die gängigsten Synonyme für ferner lauten auch, ansonsten und daneben. Liefen ist die Vergangenheitsform von Laufen, mitgelaufen, dabei gewesen sein. Zusammengeführt erzählen die Worte: Jemand wird weniger wahrgenommen und ist weniger erfolgreich als seine Mitstreiter, aber er ist dabei gewesen.

Bedeutung der Redewendung

Menschen und Dinge, die am Schluss eines Rankings stehen, werden als unwichtig abgetan. Hier wird die Floskel unter ferner liefen korrekt angewandt. Wer nicht zur Elite, zur Spitze der Bevölkerung gehört und nicht erfolgsverwöhnt ist, spielt in der Gesellschaft die zweite Geige und fällt durchs Raster. Er wird ignoriert, weil er seinen Mitmenschen bedeutungslos und nebensächlich erscheint. Materielle Dinge werden kurz nach dem Kauf ausrangiert, weil Neues viel interessanter ist. Das Alte liegt in der Ecke unter ferner liefen. Wenn jemand auf der Verliererseite steht und sich kein Erfolg anbahnt oder wenn etwas keinen Mehrwert hat, ist diese Redewendung passend.

Beispiele zum Umgang mit der Redewendung

Um auf den Pferderennsport zurückzukommen: Die ersten drei Pferde, die ins Ziel preschen, werden gefeiert. Die Nachzügler beachtet niemand. Die sind abgeschlagen und nebensächlich, eben unter ferner liefen. Bei den Olympischen Spielen zählen die Medaillen. Bemitleidet wird der undankbare vierte Platz. Doch der Rest der Sportathleten wird vernachlässigt.

Wer in der Schule schwer lernt, fällt bei Lehrern und Mitschülern leicht durchs Raster. Dieser Schüler erhält kein Lob während der Zeugnisvergabe, denn er schwebt im unteren Mittelbereich. Sein Umfeld nimmt ihn als unbedeutenden Mitläufer wahr. Ebenso ergeht es den Abgeordneten im Bundestag und den zahlreichen Wahlhelfern: Den Bundeskanzler und die Minister kennt jeder. Aber danach fallen die meisten Politiker unter ferner liefen. Bei den Wahlen berichtet der Reporter, dass die Sonstigen-Parteien unter der Fünf-Prozent-Hürde zurückbleiben, also nicht ins Gewicht fallen.

Ein kleiner Buchladen vermag nicht gegen das große Angebot im Internet zu konkurrieren, eine Boutique nicht gegen eine ausgedehnte Modekette. Sie bleiben als Verlierer unter ferner liefen. Bei einem europäischen Musikwettbewerb landet Deutschland auf einen der letzten Plätze, abgeschlagen und unbedeutend für den Ausgang des Contests. In Castingshows bewundert der Zuschauer die Gewinner. Loser werden unter ferner liefen abgehakt.

Die Redewendung unter ferner liefen zusammengefasst

Die alte Redewendung unter ferner liefen wird angewandt, wenn jemand bei einem Wettbewerb chancenlos ist und auf den hinteren Plätzen landet. Außerdem passt sie, wenn eine Idee oder ein wirtschaftliches Unternehmen erfolglos dahindümpelt. In der heutigen schnelllebigen Zeit werden Dinge, Tiere und Menschen zur Bagatelle und unter ferner liefen in die Ecke gestellt oder in eine unliebsame Schublade geschoben. Verlierer sind in der erfolgsverwöhnten Welt irrelevant, nicht der Rede wert. Die Letzten beißen die Hunde. Selbst die müssen Parcours bewältigen und kein Frauchen und kein Herrchen lässt freiwillig zu, dass ihr Hund unter ferner liefen das Ziel überquert. Genauso beabsichtigt kein Jockey, mit seinem Pferd einen bedeutungslosen Rang zu erreichen.