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„Ich empfehle mich“ beim Abschied – was bedeutet es & wann ist es passend?

Ich empfehle mich" beim Abschied

Wir benutzen oft Redewendungen und Wörter, wo wir gar nicht genau wissen, woher diese stammen. So verhält es sich auch mit der Redewendung „Ich empfehle mich“. Wann benutzt man sie? Woher kommt sie? Was bedeutet sie? Hier folgen die Antworten.

Die Herkunft

Diese Redewendung stammt aus dem 18. Jahrhundert und war eine Redewendung der puren Höflichkeit. Damals war die Gesellschaft noch in Stände gegliedert und es war viel schwerer, von unten nach oben zu kommen, als das heute der Fall ist. Es wurde viel wert auf die Sprache gelegt, um sich von unteren Schichten abzugrenzen und sich als gebildet hervorzutun und anderen gleichgestellten und höhergestellten Menschen zu beweisen, dass man etwas wert ist. Verschiedene Sprechweisen und Redewendungen, die man heute als geschwollen bezeichnen würde, stammen aus dieser Zeit und diesen gesellschaftlichen Konstrukten und Gegebenheiten.

Die Bedeutung damals

Damals sollte es höflich kaschieren, dass man sich verabschieden muss, ohne den Grund wirklich nennen zu müssen. Vielleicht war einem schlecht oder man hatte einfach keine Lust mehr, die Gesellschaft mit diesen Menschen zuzubringen. Und so empfahl man sich und verschwand. Das Wort empfehlen nutzen wir heute, um etwas hervorzuheben, dass es zu beachten gilt. Und auch damals wollte man, dass man trotz des Verschwindens in den Köpfen der Menschen blieb. Man wollte verschwinden, aber die anderen sollten an einen denken, sollten nicht vergessen, dass man da war und was man gesagt hat. Damit hatte es im 18. Jahrhundert sowohl eine kaschierende, als auch eine appellierende Note in sich verborgen.

Die Bedeutung heute

In der heutigen Zeit des 21. Jahrhunderts ist es nicht mehr so, dass wir uns so verblümt ausdrücken. Viele könne frei sprechen und sagen, was sie denken. Ein Tschüss oder Bye reicht heute für eine Verabschiedung vollkommen aus. Niemand würde einen dann für ungebildet oder sonst was halten. Wir sprechen nicht mehr so vornehm, bis auf wenige Ausnahmen, die Wert darauf legen. Dort hört man solche Worte schon mal. Heute kommt diese Redewendung aber vor allem in einem ironischem oder sarkastischem Ton vor. Man will damit einen anderen aufzeigen, dass seine Verhaltensweise nicht in Ordnung war und man ihm sein prätentiöses Verhalten nicht abnimmt und es unecht und gestelzt wirkt. Es ist also in den seltensten Fällen ernst gemeint, sondern hat immer die Note des Spotts oder der Karikatur anheften.

Wann passt es heute?

Heute gibt es kaum noch eine Gelegenheit, diese Redewendung zu nutzen. Wenn man sich etwas vornehmer geben will, kann man das natürlich tun und dann passt es auch wieder. Die Menschen werden einen auch verstehen, aber man riskiert immer, dass man schief angeschaut wird und als ob man etwas zu dick aufträgt. Es ist wichtig, sich auch der Situation angemessen zu verhalten, sowohl in Taten als auch in Worten und eine Redewendung aus dem späten 18. Jahrhundert mag da – vor allem unter jüngeren Menschen – fehl am Platz wie sonst kaum etwas. Aber in einem ironischen Ton ist diese Redewendung natürlich noch immer gut zu gebrauchen und man kann so anderen aufzeigen, dass ihr Verhalten selbst etwas zu überzeichnet ist und zu sehr an der Atmosphäre der Situation vorbei.

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