- „Du machst mich verlegen“ sagt man meist nach einem Kompliment oder Lob: Es freut einen, ist einem aber ein wenig unangenehm, so im Mittelpunkt zu stehen.
- Der Satz ist eine charmante, bescheidene Art, Danke zu sagen – fast nie ein Vorwurf.
- „Verlegen“ heißt hier „befangen, leicht beschämt, unsicher, wie man reagieren soll“.
| Bedeutung | „Dein Lob freut mich, aber ich weiß gar nicht recht, wohin mit mir.“ |
|---|---|
| Herkunft | verlegen aus mittelhochdeutsch verlegen „durch langes Liegen träge geworden“, Partizip von verligen |
| Verwendung | Reaktion auf Komplimente, Dank, Überraschungen, Flirts |
| Ähnliche Redensarten | „Jetzt werde ich rot“, „Hör auf, sonst werd’ ich noch eingebildet“, „Du bringst mich in Verlegenheit“ |
| Sprachebene | umgangssprachlich bis neutral, freundlich, oft mit Augenzwinkern |
Bedeutung
Wer „Du machst mich verlegen“ sagt, beschreibt ein kurzes, gemischtes Gefühl: Freude über die Zuwendung und gleichzeitig eine leichte Befangenheit. Typische Anzeichen sind ein Lächeln, ein gesenkter Blick, gerötete Wangen oder ein kleines Lachen. Der Satz macht dieses Gefühl hörbar und gibt der Situation eine humorvolle Wendung. Er bedeutet also nicht „Hör auf damit“, sondern eher „Danke, das ist lieb – und fast zu viel der Ehre“.
Je nach Ton kann der Satz unterschiedlich gemeint sein:
- Ehrlich gerührt: Man hat mit dem Lob nicht gerechnet und ist wirklich etwas überrumpelt.
- Bescheiden: Man nimmt das Kompliment an, ohne damit anzugeben.
- Kokett oder flirtend: Im Flirt wird der Satz oft gespielt verlegen gesagt, als Einladung, weiterzumachen. Mehr dazu im Beitrag zu kokett.
- Ironisch: Unter Freunden kann er auch ein spöttischer Kommentar zu übertriebenem Lob sein.
Herkunft des Wortes „verlegen“
Das Adjektiv verlegen stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Dort war verlegen das Partizip des Verbs verligen („sich verliegen“) und bedeutete „durch langes Liegen träge, untüchtig geworden“. Daraus entwickelte sich über „unbeholfen, ratlos“ die heutige Bedeutung „befangen, in Verlegenheit“. Das Substantiv dazu ist die Verlegenheit, bekannt aus Wendungen wie „jemanden in Verlegenheit bringen“ oder „um eine Antwort nicht verlegen sein“. Mit dem Verb verlegen („etwas an den falschen Ort legen“, „einen Termin verschieben“) hat das Adjektiv heute nur noch die Form gemeinsam. Wann genau sich die Wendung „Du machst mich verlegen“ als feste Floskel durchgesetzt hat, ist nicht eindeutig belegt; sie folgt dem gängigen Muster „jemanden traurig/froh/wütend machen“.
Verwendung: wann der Satz passt
Der Satz passt in persönlichen, freundlichen Situationen: unter Freunden, in der Familie, unter Kollegen mit gutem Verhältnis, beim Flirt. Im sehr förmlichen Rahmen, etwa nach einer Rede oder im Bewerbungsgespräch, wirkt „Vielen Dank, das freut mich sehr“ souveräner. Wer häufig mit „Du machst mich verlegen“ antwortet, sollte trotzdem auch ein schlichtes „Danke“ ergänzen – sonst kann es so wirken, als wolle man das Kompliment abwehren.
- „Das Kleid steht dir unglaublich gut.“ – „Oh, du machst mich verlegen. Danke!“
- „Ohne dich hätten wir das Projekt nie geschafft.“ – „Jetzt machst du mich aber verlegen.“
- „Sie haben die schönste Handschrift, die ich je gesehen habe.“ – „Sie machen mich ganz verlegen.“
- „Hör auf, du machst mich verlegen“, lachte sie und hielt sich die Hand vors Gesicht.
- Er wurde verlegen, als der ganze Raum für ihn „Happy Birthday“ sang.
- „Um eine Ausrede ist er nie verlegen“ – hier heißt verlegen „ratlos“.
Synonyme und ähnliche Ausdrücke
| Ausdruck | Nuance |
|---|---|
| Jetzt werd’ ich rot. | betont das sichtbare Erröten, humorvoll |
| Du bringst mich in Verlegenheit. | etwas förmlicher, kann auch „in eine schwierige Lage“ meinen |
| Das ist zu viel der Ehre. | bescheiden bis scherzhaft-gehoben |
| Hör auf, sonst werd’ ich noch eingebildet. | locker, ironisch |
| Danke, das ist lieb von dir. | schlicht, ohne Verlegenheit zu betonen |
Das Gegenteil von verlegen ist selbstsicher, souverän oder unbefangen. Eng verwandt ist das Wort reserviert, das allerdings eher kühle Zurückhaltung als Befangenheit beschreibt.
Häufige Fragen
Ist „Du machst mich verlegen“ positiv oder negativ?
Was antwortet man darauf?
Bedeutet es beim Flirten Interesse?
Woher kommt das Wort verlegen?

Mein Name ist Anatoli Bauer und ich wohne ganz im Norden von Deutschland an der Nordseeküste in Husum. 1997 bin ich mit 9 Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Seitdem habe ich mich leidenschaftlich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigt und irgendwann ist die Idee zu einer Sammlung von Erklärungen für Fachwörter und Fremdwörter entstanden. Nun befinden sich hier auf Fachwort24.net über 500 Erklärungen für Fachwörter und die Sammlung wird regelmäßig erweitert.








