Die Büchse der Pandora öffnen: Bedeutung, Herkunft und Beispiele

Aktualisiert: Oktober 2026 · Redensart

Kurz erklärt

  • Die Büchse der Pandora öffnen heißt: etwas tun, das eine Kette von Problemen auslöst, die man nicht mehr unter Kontrolle bekommt.
  • Die Redensart stammt aus der griechischen Mythologie und geht auf den Dichter Hesiod zurück.
  • Man benutzt sie als Warnung („Damit öffnest du die Büchse der Pandora“) oder rückblickend für eine folgenschwere Entscheidung.
Bedeutung unabsehbares Unheil auslösen, das sich nicht rückgängig machen lässt
Herkunft griechischer Mythos, überliefert bei Hesiod (um 700 v. Chr.)
Verwendung Politik, Wirtschaft, Technik, Alltag; gehoben bis neutral
Ähnliche Redensarten ein Fass aufmachen, schlafende Hunde wecken, eine Lawine lostreten
Gegenteil den Deckel draufhalten, die Finger davon lassen

Bedeutung

Wer die Büchse der Pandora öffnet, macht einen ersten Schritt, dessen Folgen weit über das hinausgehen, was er beabsichtigt hat. Typisch sind drei Merkmale: Die Handlung wirkt zunächst klein oder harmlos, die Folgen sind zahlreich und schädlich, und sie lassen sich nicht mehr zurücknehmen. Oft schwingt mit, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, auf den sich später andere berufen.

Herkunft: der Mythos von Pandora

Die Geschichte erzählt der griechische Dichter Hesiod in seinen Werken „Theogonie“ und „Werke und Tage“. Prometheus hatte den Göttern das Feuer gestohlen und den Menschen gebracht. Zur Strafe ließ Zeus von Hephaistos die erste Frau formen: Pandora, „die Allbeschenkte“, weil jede Gottheit ihr eine Gabe mitgab. Sie wurde zu Epimetheus geschickt, dem Bruder des Prometheus, der trotz Warnung kein Geschenk der Götter annehmen sollte und es doch tat.

Pandora brachte ein verschlossenes Gefäß mit. Als sie den Deckel hob, entwichen alle Übel in die Welt: Mühsal, Krankheit, Leid. Nur die Hoffnung (griechisch Elpis) blieb im Gefäß zurück, weil Pandora den Deckel rechtzeitig wieder schloss. Wie dieses Detail zu deuten ist, ob als Trost oder als weiteres Übel, ist seit der Antike umstritten.

Büchse oder Krug?

Bei Hesiod ist von einem pithos die Rede, einem großen Vorratskrug aus Ton. Die „Büchse“ kam erst in der Renaissance in die Geschichte: Der Humanist Erasmus von Rotterdam schrieb im 16. Jahrhundert pyxis, also Dose oder Büchse. Diese Fassung setzte sich durch, im Deutschen ebenso wie im Englischen (Pandora’s box).

Vom Mythos zur RedensartGefäßverschlossenDeckel aufaus NeugierÜbel entweichennicht rückholbarHoffnungbleibt drinHeute: ein kleiner erster Schritt löst viele Folgen aus,die sich nicht mehr einfangen lassen.
Infografik: Die Stationen des Mythos und was die Redensart heute meint.

Verwendung und Ton

Die Wendung ist in Zeitungen, Reden und Diskussionen sehr verbreitet, besonders wenn es um Politik, Recht, Technik oder Wirtschaft geht. Sie klingt etwas gehoben und bildhaft, ist aber nicht veraltet. Im Alltag wirkt sie leicht dramatisch und wird gern augenzwinkernd gebraucht, etwa wenn ein harmloses Thema zu einem langen Streit führt. Möglich sind „die Büchse der Pandora öffnen“, „aufmachen“ oder einfach „Pandoras Büchse“.

Beispielsätze

Beispiele

  • Mit dieser Ausnahmeregelung öffnet die Regierung die Büchse der Pandora, dann wollen alle eine.
  • Kritiker warnen, die Technik sei eine Büchse der Pandora, deren Folgen niemand absehen könne.
  • Als sie beim Familienessen das Erbe ansprach, hatte sie die Büchse der Pandora geöffnet.
  • Wer einmal die Gehälter offenlegt, macht die Büchse der Pandora auf.
  • Das Urteil gilt als Büchse der Pandora für eine ganze Klagewelle.
  • Frag ihn bloß nicht nach seinem Fußballverein, das ist die Büchse der Pandora.

Ähnliche Redensarten

Ausdruck Nuance
ein Fass aufmachen umgangssprachlich; ein heikles Thema anstoßen, das viel Ärger bringt
schlafende Hunde wecken auf etwas aufmerksam machen, das besser unbeachtet geblieben wäre
eine Lawine lostreten betont die schnelle, wachsende Kettenreaktion
der Dammbruch eine erste Ausnahme, nach der alles nachgibt
Geister, die ich rief nach Goethes „Zauberlehrling“: man wird die Folgen nicht mehr los
Häufiger Fehler: Die Redensart beschreibt nicht nur „etwas Schlechtes tun“, sondern eine Kettenreaktion. Für einen einzelnen Fehler passt sie nicht. Falsch ist auch „die Büchse von Pandora“; richtig ist „die Büchse der Pandora“ oder „Pandoras Büchse“.

Weitere Redensarten aus der griechischen Mythologie sind die Sisyphusarbeit, die Tantalusqualen und die Herkulesaufgabe.

Häufige Fragen

Was war in der Büchse der Pandora?
Nach Hesiod alle Übel der Welt, etwa Mühsal und Krankheit. Zurück blieb nur die Hoffnung.
Warum blieb die Hoffnung in der Büchse?
Pandora schloss den Deckel, bevor sie entweichen konnte. Ob das bedeutet, dass die Menschen die Hoffnung behalten oder dass sie ihnen vorenthalten wird, ist eine alte Streitfrage der Deutung.
War es wirklich eine Büchse?
Nein, im griechischen Original ist es ein großer Tonkrug (pithos). Die Büchse geht auf eine Fassung des Erasmus von Rotterdam im 16. Jahrhundert zurück.
Was bedeutet der Name Pandora?
Er wird meist als „die Allbeschenkte“ oder „die alles Gebende“ gedeutet, von griechisch pan „alles“ und doron „Geschenk“.

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