Tabulos: Bedeutung, Herkunft und Beispiele

Aktualisiert: Oktober 2026 · Wortbedeutung

Kurz erklärt

  • Tabulos bedeutet ohne Tabus: ohne Scheu vor Themen, über die man sonst schweigt, und ohne Rücksicht auf ungeschriebene Verbote.
  • Positiv meint es offen, ehrlich, unverklemmt („ein tabuloses Gespräch über Geld“). Negativ meint es schamlos, hemmungslos, skrupellos („tabulose Gewalt“).
  • Welche Lesart gilt, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Das Wort ist standardsprachlich und in Medien sehr verbreitet.
Wortart Adjektiv; Substantiv: die Tabulosigkeit
Aussprache [TA-bu-lohs], Betonung auf der ersten Silbe
Herkunft Tabu (über englisch taboo aus dem polynesischen tapu) + Suffix -los
Synonyme offen, unverblümt, freimütig, schonungslos; negativ: schamlos, hemmungslos
Gegenteil verschämt, verklemmt, zurückhaltend, prüde
Sprachebene standardsprachlich

Was bedeutet tabulos?

Ein Tabu ist ein ungeschriebenes Verbot: ein Thema, über das man nicht spricht, oder eine Handlung, die man nicht begeht, weil die Gemeinschaft es so erwartet. Tabulos beschreibt Menschen, Äußerungen oder Darstellungen, die sich über solche Grenzen hinwegsetzen. Je nach Blickwinkel hat das zwei Gesichter:

  1. Offen und frei von falscher Scham: Man spricht ehrlich über Dinge, die sonst verschwiegen werden, etwa über Krankheit, Tod, Geld, Sexualität oder psychische Probleme. „Die Ärztin erklärte tabulos, was bei den Wechseljahren passiert.“ Hier ist tabulos anerkennend gemeint.
  2. Ohne Hemmungen und Grenzen: Man überschreitet Regeln des Anstands oder der Menschlichkeit. „Der Film zeigt die Gewalt tabulos“ oder „ein tabuloser Wahlkampf“. Hier ist tabulos kritisch gemeint und kommt skrupellos nahe.

In Kontaktanzeigen und erotischen Angeboten wird tabulos zudem im Sinne von „sexuell zu allem bereit“ verwendet. Wegen dieser Nebenbedeutung wirkt das Wort in manchen Zusammenhängen zweideutig.

Herkunft

Das Wort Tabu stammt aus Polynesien. Im Tongaischen und verwandten Sprachen bedeutet tapu etwa „heilig, unantastbar, verboten“. Bestimmte Orte, Gegenstände oder Personen durften nicht berührt oder betreten werden. Der britische Seefahrer James Cook lernte den Begriff 1777 auf Tonga kennen und machte ihn durch seine Reiseberichte in Europa bekannt. Über englisch taboo gelangte er im 19. Jahrhundert ins Deutsche.

Später erweiterte sich die Bedeutung von der religiösen Unantastbarkeit zum allgemeinen gesellschaftlichen Verbot: Ein Thema ist „tabu“, wenn man darüber nicht spricht. Mit der Nachsilbe -los („ohne“) entstand daraus tabulos, gebildet wie hemmungslos, schamlos oder rücksichtslos.

Der Weg von tapu zu tabulos tapu Tongaisch heilig, unantastbar → taboo Englisch, 1777 durch James Cook → Tabu Deutsch, 19. Jh. ungeschriebenes Verbot → tabulos Tabu + -los ohne Tabus positiv: offen, ehrlich negativ: schamlos, skrupellos
Infografik: Tabulos geht über das deutsche Tabu und englisch taboo auf das polynesische tapu zurück; die Bewertung hängt vom Zusammenhang ab.

Verwendung und Ton

Tabulos ist ein gängiges Wort in Zeitungen, Rezensionen und Gesprächen. Typische Verbindungen sind tabulos offen, tabulos ehrlich, tabulose Aufklärung, tabuloser Umgang mit … und tabulose Darstellung. Ob das Wort lobt oder kritisiert, zeigt meist das Umfeld: „erfrischend tabulos“ ist ein Kompliment, „erschreckend tabulos“ ein Vorwurf.

Wer jemanden als tabulos beschreibt, sollte deshalb deutlich machen, was gemeint ist. In der Bedeutung „offen“ sind unverblümt oder freimütig oft eindeutiger, in der Bedeutung „grenzenlos“ trifft skrupellos oder schamlos den Punkt besser. Wer bewusst provoziert und Grenzen austestet, wirkt auf andere schnell grenzwertig. Tabuloser Humor kippt zudem leicht ins Zynische.

Beispiele

  • In ihrem Buch schreibt die Autorin tabulos über ihre Depression.
  • Die Kampagne setzt auf tabulose Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten.
  • Kritiker warfen dem Sender eine tabulose Zurschaustellung des Unglücks vor.
  • Bei uns in der Familie wurde schon immer tabulos über Geld gesprochen.
  • Der Comedian ist bekannt für seinen tabulosen Humor, der nicht jedem gefällt.
  • Die Tabulosigkeit, mit der im Wahlkampf gelogen wurde, schockierte viele.

Synonyme und Gegenteile

Wort Nuance
offen, freimütig positiv: ehrlich und ohne Hemmungen im Gespräch
unverblümt direkt, ohne Beschönigung; kann auch etwas schroff wirken
schonungslos ohne Rücksicht auf unangenehme Wahrheiten, oft anerkennend
hemmungslos ohne innere Bremse, meist kritisch
schamlos, skrupellos klar negativ: ohne Anstand oder moralische Bedenken
Gegenteil: verschämt, verklemmt gehemmt, besonders bei heiklen Themen
Gegenteil: zurückhaltend, diskret bewusst vorsichtig und taktvoll
Typische Fehler: Es heißt tabulos mit einem s am Ende, nicht „tabulös“ oder „tabuloss“. Die Steigerung lautet tabuloser, am tabulosesten. Und nicht verwechseln mit tabellarisch (in Tabellenform), das trotz ähnlichem Anfang nichts mit Tabus zu tun hat.
Merksatz: Tabulos ist, wer kein Tabu kennt. Ob das mutig oder rücksichtslos ist, entscheidet der Zusammenhang.

Häufige Fragen

Ist tabulos positiv oder negativ?
Beides ist möglich. Im Sinne von offen und ehrlich ist es positiv, im Sinne von schamlos oder skrupellos negativ.
Was ist ein Tabu?
Ein ungeschriebenes gesellschaftliches Verbot, etwa ein Thema, über das man nicht spricht, oder eine Handlung, die als unantastbar gilt.
Woher kommt das Wort Tabu?
Aus dem Polynesischen: tapu bedeutet etwa heilig oder unantastbar. Über James Cook und das englische taboo kam es nach Europa.
Was bedeutet tabulos in Anzeigen?
In erotischen Kontaktanzeigen meint es „zu allem bereit“. Diese Bedeutung ist umgangssprachlich und vom allgemeinen Wortsinn zu trennen.

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