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Was ist ein Narrativ? – Bedeutung, Beispiele & Synonyme

Was ist ein Narrativ

Bei dem Begriff des Narrativs handelt es sich – wie bei so vielen unserer Fremdwörter – erneut um eines, das seinen Ursprung im Lateinischen hat und auf das Nomen „narratio“, beziehungsweise auf das Verb „narrare“ zurückgeht, die „Erzählung“ und „erzählen“ bedeuten. Für die heutige Verwendung des Konzeptes „Narrativ“ ist entscheidend, dass es sich in wahrnehmungskritischen Momenten des 20 Jahrhunderts herausgebildet hat und sehr stark mit der philosophischen Position des Dekonstruktivismus verbunden ist.

In der philosophischen Methodenlehre der Dekonstruktion geht es darum zu zeigen, dass unsere Wahrnehmung von Geschichte und tagesaktueller Realität stets von bestimmten unhinterfragten (versteckten) Positionierungen geprägt ist, sowie, dass auch wir selber immer unsere eigenen Vorurteile und Narrative mit uns herumtragen und auf andere projizieren. Menschen, die sich etwa auf Grund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechtes und ihrer finanziellen Situation in einer privilegierten Position wiederfinden verbreiten beispielsweise gerne das Narrativ, dass man mit einem entsprechenden Aufwand alles erreichen kann, was man will.

Dadurch, dass sich diese Ansicht durch das Leben des Genannten zieht, wird daraus ein Narrativ als eine Art Welterklärungsmodell, dem jedoch die statistischen und faktischen Grundlagen fehlen. In Zeiten moderner Medien und einer immer stärker ausgeprägten Globalisierung ist aktuell ein Punkt erreicht, in dem Narrative sehr deutlich und oft auch in Form von Fake News zu Tage treten. Bestimmten Gruppierungen halten geradezu zwanghaft an ihren Narrativen fest und bemühen sich, Beweise vorzubringen.

Inhaltsverzeichnis (bitte aufklappen)

Das Ende der „großen Erzählungen“

Dem heute häufig kritisch verwendeten Begriff des Narrativs, ging im deutschen Sprachgebrauch des 20. Jahrhunderts auch die Idee vom Ende der großen Erzählungen voraus, die auf den französischen Philosophen Jean Francois Lyotard zurückzuführen ist. Nach seiner Theorie ergibt sich aus dem Zusammenbruch der traditionellen, allumfassenden Welterklärungssysteme (also etwa; Idealismus, Materialismus, Christentum, etc.) eine Vielzahl an kleinerer Erzählungen, die ebenfalls fehlgeleitet sein können und für die es sehr typisch ist, dass sie blinde Flecken haben.

Der Begriff der Erzählung wurde vor allem deshalb durch den des Narrativs ersetzt, weil dieser auf Grund seiner ansonsten eher sparsamen Verwendung hier nun in dezidiert kritischer Form eingesetzt werden kann. Narrative können dabei eine äußerst subtile Form annehmen betreffen auch Menschen, die demokratisch, liberal oder humanistisch geprägt wurden. Beispielhaft sind hier Situationen, in denen weiße Menschen behaupten, noch nie in ihrem Leben in irgendeiner Form rassistisch gehandelt zu haben, was eher unwahrscheinlich ist, da diese Prozesse häufig im Unterbewusstsein ablaufen.

Die Chance der Narrative

Insbesondere das Aufdecken der eigenen Prägungen und damit der Narrative/Prämissen unter denen man aufgewachsen ist ein sehr wertvoller Prozess, der auch Chancen für die Zukunft mit sich bringt. Dabei ist es wichtig einzusehen, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Narrativen und den Narrativen anderer nicht in einer Angleichung oder in völliger Harmonie enden soll oder muss.

Vielmehr werden gesellschaftliche Prozesse durch ständige Selbstkorrektur und Zuhören verbessert, wenn man es schafft, das Gegenüber nicht abzuwerten und nicht reflexartig in eine „Schublade“ einzuordnen. Die gesellschaftliche Realität ist aktuell noch in der Abwertung vieler positiver kleiner Erzählungen gefangen, wenn es um Fragen der Nationalität, der geschlechtlichen Identität oder den Themenbereich „disability“ geht. Es gibt aber positive Entwicklungen, die viel mit dem Hinterfragen der eigenen Person und Position zu tun haben.

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