Difigiano: Bedeutung und Herkunft des bairischen Spruchs

Aktualisiert: Oktober 2026 · Redensart

Kurz erklärt

  • Difigiano ist kein italienisches Wort, sondern der bairische Satz „Di fig i a no“, zusammengezogen zu einem Wort.
  • Wörtlich heißt das „Dich fick ich auch noch“. Gemeint ist meist eine derbe Kampfansage im Sinne von „Dich krieg ich auch noch“ oder „Mit dir werde ich auch noch fertig“.
  • Der Witz liegt im Klang: Zusammengesprochen hört es sich an wie ein italienischer Name. So wird ein vulgärer Satz scheinbar harmlos verpackt.
  • Der Ausdruck ist sehr derb. Unter Freunden kann er als Frotzelei durchgehen, gegenüber Fremden wirkt er beleidigend oder bedrohlich.
Herkunft Bairisch (Bayern, Österreich); Verbreitung als Wortspiel vor allem über soziale Netzwerke
Aussprache [di-fi-GIA-no], das g wird wie im Deutschen gesprochen, nicht wie das italienische dsch
Bedeutung wörtlich „Dich fick ich auch noch“; im Sinn von „Dich krieg ich auch noch“
Verwendung Kampfansage, Drohung oder derbe Frotzelei; oft als Insiderwitz
Ähnliche Ausdrücke „Dich mach ich fertig“, „Du bist der Nächste“, „Warte nur, dich krieg ich“
Sprachebene vulgär, mundartlich

Was bedeutet difigiano?

Difigiano ist ein Wortspiel. Schreibt man die einzelnen Bestandteile getrennt, steht dort ein ganz normaler bairischer Satz: „Di fig i a no.“ Ins Hochdeutsche übertragen heißt er „Dich fick ich auch noch“. Das bairische Verb figgn entspricht dem vulgären „ficken“.

Im Gebrauch ist der Satz selten wörtlich sexuell gemeint. Wie viele derbe Ausdrücke mit diesem Verb hat er die übertragene Bedeutung „jemanden besiegen, fertigmachen, über den Tisch ziehen“. Wer „difigiano“ sagt, kündigt also an: „Mit dir rechne ich auch noch ab“ oder „Du kommst auch noch dran“. Je nach Lage ist das eine scherzhafte Kampfansage beim Kartenspielen oder eine ernst gemeinte Drohung.

Warum klingt es italienisch?

Im Bairischen werden kurze Wörter oft eng aneinandergesprochen. Aus „di fig i a no“ wird dann ein flüssiges „difigiano“, das mit seinen Vokalen und der Endung -ano an italienische Namen wie Vigiano oder Feliciano erinnert. Gerade dieser Kontrast macht den Witz aus: Wer die Mundart nicht kennt, hält es für ein Wort aus dem Urlaubsland, wer sie kennt, muss schmunzeln. Mit dem Italienischen hat der Ausdruck aber nichts zu tun.

difigiano Bairisch Hochdeutsch di fig i a no dich fick ich auch noch gemeint meist: „Dich krieg ich auch noch.“
Infografik: „difigiano“ Silbe für Silbe aufgelöst. Das Verb figgn ist der vulgäre Kern des Satzes.

Herkunft

Die einzelnen Wörter sind gewöhnliches Bairisch, wie man es in Bayern und Österreich spricht: di für „dich“, i für „ich“, a für „auch“ und no für „noch“. Der Satz selbst ist also alt und alltäglich, nur nicht salonfähig.

Bekannt geworden ist die zusammengezogene Form „difigiano“ vor allem als Gag in kurzen Videos und Memes. Dort ist sie ein typisches Beispiel für Wörter, die einen Kraftausdruck so verpacken, dass er nicht sofort auffällt. Wer genau das erste Video war und wann es entstand, lässt sich nicht sicher belegen. Der Witz funktioniert auch unabhängig davon und wird an Stammtischen und in Chats weitergereicht. Ein ähnliches Prinzip kennt man von Sprüchen wie „Shababs botten“, die ebenfalls vom Klang leben.

Verwendung und Wirkung

Ob „difigiano“ lustig oder verletzend ist, hängt vom Verhältnis der Beteiligten ab:

  • Unter guten Freunden ist es eine derbe Frotzelei, etwa wenn jemand beim Schafkopf oder am Kicker gewinnt und der Verlierer Revanche ankündigt.
  • Gegenüber Fremden oder im Streit ist es eine klare Drohung und eine Beleidigung. Dort sollte man den Satz ernst nehmen und nicht als Witz abtun.
  • Im Beruf, in der Schule oder im Kundenkontakt ist der Ausdruck tabu. Auch wer ihn nur als lustiges Wort aus dem Internet zitiert, sollte wissen, was er bedeutet.

Weil der vulgäre Kern im zusammengezogenen Wort versteckt ist, sagen manche den Spruch unbedacht nach. Wer ihn verwendet, sollte sich bewusst sein, dass Menschen mit bairischen Kenntnissen ihn sofort verstehen.

Beispiele

  • Nach der verlorenen Kartenrunde: „Wart nur, difigiano, nächste Woche bin ich dran.“
  • „Er hat ‚difigiano‘ unter das Video geschrieben, und die Hälfte der Kommentare hielt es für Italienisch.“
  • „Als sie ihm das Tor gegen sein Team geschossen hat, rief er lachend: Difigiano!“
  • „Im Streit hat er ‚di fig i a no‘ gesagt, das war keine Freundlichkeit, sondern eine Drohung.“
  • „Viele sagen difigiano nach, ohne zu wissen, dass es ein ziemlich derber bairischer Satz ist.“
  • „Das klingt wie ein Ort in der Toskana, ist aber reinstes Bairisch.“

Harmlosere Alternativen

Ausdruck Nuance
Dich krieg ich auch noch. gleiche Aussage, ohne Vulgärwort, auch scherzhaft möglich
Du bist der Nächste. Ankündigung im Spiel oder Wettkampf
Warte nur, das zahl ich dir heim. Revanche, eher augenzwinkernd
Mit dir werd ich auch noch fertig. selbstbewusst, leicht drohend
Dich mach ich fertig. deutlich aggressiver
Achtung: „Difigiano“ ist kein lustiges Fantasiewort. Wer den Satz einer fremden Person zuruft, beleidigt oder bedroht sie. Auch in Kommentaren unter Beiträgen kann er als Beleidigung gewertet werden.
Merkhilfe: di = dich, fig = fick, i = ich, a = auch, no = noch. Wer die fünf Silben einzeln liest, versteht sofort, warum das Wort nur nach Italien klingt.

Weitere Beispiele dafür, wie viel Bedeutung in mundartlichen Kurzformen steckt, finden sich bei „Guts Nächtle“ aus dem Schwäbischen oder beim norddeutschen „Moin Meister“.

Häufige Fragen

Ist difigiano Italienisch?
Nein. Es klingt nur so. Es handelt sich um den bairischen Satz „Di fig i a no“, der ohne Pausen gesprochen wird.
Was heißt di fig i a no auf Hochdeutsch?
Wörtlich „Dich fick ich auch noch“. Im übertragenen Sinn heißt es „Dich krieg ich auch noch“ oder „Mit dir rechne ich auch noch ab“.
Ist difigiano eine Beleidigung?
Ja, der Ausdruck ist vulgär. Unter Freunden kann er als derber Scherz durchgehen, gegenüber anderen Menschen ist er beleidigend oder drohend.
Wie spricht man difigiano aus?
Etwa [di-fi-GIA-no], mit einem deutschen g wie in „Gans“. Im Original sind es fünf kurze bairische Wörter.

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