Ästimieren: Bedeutung, Herkunft und Beispiele

Aktualisiert: Oktober 2026 · Fremdwort

Kurz erklärt

  • Ästimieren bedeutet „schätzen, achten, wertschätzen“: Man hält jemanden oder etwas für wertvoll.
  • Das Wort ist veraltet und klingt heute gehoben oder bewusst altmodisch-ironisch.
  • Es stammt über französisch estimer von lateinisch aestimare („abschätzen, bewerten“).
Wortart Verb, schwach, transitiv (jemanden oder etwas ästimieren)
Aussprache [äs-ti-MIE-ren]
Herkunft französisch estimer, lateinisch aestimare (abschätzen, bewerten, hochachten)
Substantiv die Ästimation (veraltet: Wertschätzung, Achtung)
Synonyme schätzen, achten, wertschätzen, anerkennen, würdigen
Gegenteil geringschätzen, missachten, verachten, ignorieren
Sprachebene veraltet, bildungssprachlich; regional mundartlich

Bedeutung

Wer jemanden ästimiert, bringt ihm Achtung entgegen und schätzt seine Eigenschaften oder seine Arbeit. Ein Satz wie „Ich ästimiere Ihre Offenheit sehr“ heißt heute schlicht: „Ich schätze Ihre Offenheit sehr.“ Das Wort bezieht sich auf Menschen ebenso wie auf Dinge, Leistungen oder Gewohnheiten. Im 18. und 19. Jahrhundert, als französische Wörter in gebildeten Kreisen beliebt waren, war ästimieren verbreitet. Heute steht es im Duden als veraltet.

Mit dem Rechnen im Sinne von „Kosten schätzen“ hat ästimieren im Deutschen nichts zu tun. Diese Bedeutung lebt nur in verwandten Wörtern weiter, etwa im englischen to estimate.

Herkunft

Im Lateinischen bedeutete aestimare zuerst, den Wert einer Sache festzulegen: abschätzen, taxieren, beurteilen. Daraus entwickelte sich die Bedeutung „hoch einschätzen, achten“. Das Französische machte daraus estimer, das sowohl „schätzen (Wert)“ als auch „hochachten“ heißen kann. In dieser zweiten Bedeutung wurde das Wort im 17. und 18. Jahrhundert ins Deutsche übernommen und an die lateinische Schreibung angelehnt: ästimieren.

Woher kommt „ästimieren“?Lateinaestimareabschätzen,bewertenFranzösischestimerschätzen,hochachtenDeutschästimieren(veraltet)wertschätzen
Infografik: Wortherkunft von ästimieren: vom lateinischen Abschätzen zum deutschen Wertschätzen.

Verwandte Wörter in anderen Sprachen zeigen beide Bedeutungslinien: Englisch to estimate heißt „schätzen, veranschlagen“, to esteem dagegen „hochschätzen, achten“. Spanisch estimar und italienisch stimare tragen ebenfalls beide Bedeutungen.

Verwendung heute

Im Alltag benutzt kaum jemand das Wort ernsthaft. Es taucht auf in älteren Romanen und Briefen, in bewusst altertümlicher Sprache und als humorvolle Übertreibung: „Ich ästimiere deinen Kaffee außerordentlich.“ In süddeutschen und österreichischen Mundarten hat sich das Wort in der Form estimieren gehalten, meist verneint im Sinne von „nicht beachten, nicht mögen“: „Der hat mich gar nicht estimiert.“ Wer das Wort in einem modernen Bewerbungsschreiben oder einer E-Mail benutzt, wirkt eher gestelzt. Dann ist schätzen die bessere Wahl.

Die Formen sind regelmäßig: ich ästimiere, du ästimierst, sie ästimiert; Präteritum ästimierte; Partizip hat ästimiert.

Beispiele

  • Der alte Herr ästimierte seine Haushälterin über alle Maßen.
  • Ich ästimiere Ihre Pünktlichkeit, Herr Kollege.
  • In der Gesellschaft wurde er wegen seiner Bildung sehr ästimiert.
  • Sie ästimiert gute Manieren mehr als teure Geschenke.
  • „Das wird hier nicht sonderlich ästimiert“, sagte er mit ironischem Lächeln.
  • Den Kuchen hat der Opa überhaupt nicht estimiert.

Synonyme und Gegenteile

Wort Nuance
schätzen heutige Standardentsprechung
wertschätzen betont die bewusste Anerkennung
achten, respektieren betont Respekt, siehe akzeptieren, tolerieren, respektieren
würdigen öffentlich anerkennen, eher feierlich
evaluieren nicht gleichbedeutend: sachlich bewerten
geringschätzen, missachten Gegenteil
Typische Fehler: Die Schreibweise estimieren gibt die Mundart wieder, standardsprachlich heißt es ästimieren mit ä. Nicht verwechseln mit animieren (anregen) oder taxieren (den Wert schätzen, abschätzend mustern).

Häufige Fragen

Was heißt ästimieren auf Deutsch?
Schätzen, achten, wertschätzen. „Ich ästimiere ihn“ bedeutet „Ich schätze ihn“.
Ist ästimieren noch gebräuchlich?
Kaum. Es gilt als veraltet und wird heute vor allem ironisch oder in historischen Texten verwendet, regional auch in der Mundart.
Hängt ästimieren mit dem englischen estimate zusammen?
Ja, beide gehen auf lateinisch aestimare zurück. Im Englischen heißt estimate aber vor allem „Kosten oder Mengen schätzen“, die Bedeutung „hochachten“ trägt esteem.

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