- Ästimieren bedeutet „schätzen, achten, wertschätzen“: Man hält jemanden oder etwas für wertvoll.
- Das Wort ist veraltet und klingt heute gehoben oder bewusst altmodisch-ironisch.
- Es stammt über französisch estimer von lateinisch aestimare („abschätzen, bewerten“).
| Wortart | Verb, schwach, transitiv (jemanden oder etwas ästimieren) |
|---|---|
| Aussprache | [äs-ti-MIE-ren] |
| Herkunft | französisch estimer, lateinisch aestimare (abschätzen, bewerten, hochachten) |
| Substantiv | die Ästimation (veraltet: Wertschätzung, Achtung) |
| Synonyme | schätzen, achten, wertschätzen, anerkennen, würdigen |
| Gegenteil | geringschätzen, missachten, verachten, ignorieren |
| Sprachebene | veraltet, bildungssprachlich; regional mundartlich |
Bedeutung
Wer jemanden ästimiert, bringt ihm Achtung entgegen und schätzt seine Eigenschaften oder seine Arbeit. Ein Satz wie „Ich ästimiere Ihre Offenheit sehr“ heißt heute schlicht: „Ich schätze Ihre Offenheit sehr.“ Das Wort bezieht sich auf Menschen ebenso wie auf Dinge, Leistungen oder Gewohnheiten. Im 18. und 19. Jahrhundert, als französische Wörter in gebildeten Kreisen beliebt waren, war ästimieren verbreitet. Heute steht es im Duden als veraltet.
Mit dem Rechnen im Sinne von „Kosten schätzen“ hat ästimieren im Deutschen nichts zu tun. Diese Bedeutung lebt nur in verwandten Wörtern weiter, etwa im englischen to estimate.
Herkunft
Im Lateinischen bedeutete aestimare zuerst, den Wert einer Sache festzulegen: abschätzen, taxieren, beurteilen. Daraus entwickelte sich die Bedeutung „hoch einschätzen, achten“. Das Französische machte daraus estimer, das sowohl „schätzen (Wert)“ als auch „hochachten“ heißen kann. In dieser zweiten Bedeutung wurde das Wort im 17. und 18. Jahrhundert ins Deutsche übernommen und an die lateinische Schreibung angelehnt: ästimieren.
Verwandte Wörter in anderen Sprachen zeigen beide Bedeutungslinien: Englisch to estimate heißt „schätzen, veranschlagen“, to esteem dagegen „hochschätzen, achten“. Spanisch estimar und italienisch stimare tragen ebenfalls beide Bedeutungen.
Verwendung heute
Im Alltag benutzt kaum jemand das Wort ernsthaft. Es taucht auf in älteren Romanen und Briefen, in bewusst altertümlicher Sprache und als humorvolle Übertreibung: „Ich ästimiere deinen Kaffee außerordentlich.“ In süddeutschen und österreichischen Mundarten hat sich das Wort in der Form estimieren gehalten, meist verneint im Sinne von „nicht beachten, nicht mögen“: „Der hat mich gar nicht estimiert.“ Wer das Wort in einem modernen Bewerbungsschreiben oder einer E-Mail benutzt, wirkt eher gestelzt. Dann ist schätzen die bessere Wahl.
Die Formen sind regelmäßig: ich ästimiere, du ästimierst, sie ästimiert; Präteritum ästimierte; Partizip hat ästimiert.
- Der alte Herr ästimierte seine Haushälterin über alle Maßen.
- Ich ästimiere Ihre Pünktlichkeit, Herr Kollege.
- In der Gesellschaft wurde er wegen seiner Bildung sehr ästimiert.
- Sie ästimiert gute Manieren mehr als teure Geschenke.
- „Das wird hier nicht sonderlich ästimiert“, sagte er mit ironischem Lächeln.
- Den Kuchen hat der Opa überhaupt nicht estimiert.
Synonyme und Gegenteile
| Wort | Nuance |
|---|---|
| schätzen | heutige Standardentsprechung |
| wertschätzen | betont die bewusste Anerkennung |
| achten, respektieren | betont Respekt, siehe akzeptieren, tolerieren, respektieren |
| würdigen | öffentlich anerkennen, eher feierlich |
| evaluieren | nicht gleichbedeutend: sachlich bewerten |
| geringschätzen, missachten | Gegenteil |
Häufige Fragen
Was heißt ästimieren auf Deutsch?
Ist ästimieren noch gebräuchlich?
Hängt ästimieren mit dem englischen estimate zusammen?

Mein Name ist Anatoli Bauer und ich wohne ganz im Norden von Deutschland an der Nordseeküste in Husum. 1997 bin ich mit 9 Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Seitdem habe ich mich leidenschaftlich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigt und irgendwann ist die Idee zu einer Sammlung von Erklärungen für Fachwörter und Fremdwörter entstanden. Nun befinden sich hier auf Fachwort24.net über 500 Erklärungen für Fachwörter und die Sammlung wird regelmäßig erweitert.


