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Was ist eine Zuckerschnute? – Aufklärung & Bedeutung

Was ist eine Zuckerschnute

Das Wort „Schnute“ bezeichnet einen aus Verdrossenheit oder Ablehnung verzogenen Mund, den Schmollmund. Die Redewendung „eine Schnute ziehen“, verbindet man in dem Kontext mit kleinen Kindern, die ihren Gefühlen im Rahmen einer Protestaktion nach gescheiterten Verhandlungen über Süßigkeiten oder die Schlafenszeit, Ausdruck verleihen. Aus diesem Grund steht „Schnute“ umgangssprachlich für den Mund eines kleinen Kindes. Der Begriff wird in diesem Rahmen seit dem 18. Jahrhundert verwendet und stammt von dem niederdeutschen Wort „Snute“, was Schnauze bedeutet, ab.

Ein zweifelhaftes Kompliment?

Die „Schnute“ in Kombination mit dem Wort Zucker impliziert jedoch nicht das beleidigtes Kleinkind. Als „Zuckerschnute“ wird in der Regel eine süße, meist weibliche Person bezeichnet. Hierbei gilt das Wort als Kompliment und steht für ein attraktives Äußeres. Das Wort Zucker wird als Kompliment auch in anderen Varianten verwendet, wie beispielsweise die „Zuckerpuppe“, „zuckersüß“, „Zuckerschnecke“. Einige deutschsprachige Künstler besingen eine „Zuckerschnute“ in Gestalt von hübschen Mädchen in ihren Songtexten. Der Begriff wird häufiger vor allem im norddeutschen Raum verwendet. Der Ausdruck steht für ein freches, verführerisches Mädchen mit deutlich erotischer Komponente.

Aus diesem Grund sollte das Wort „Zuckerschnute“ auch kritisch betrachtet werden, da seine Verwendung manchmal in einem despektierlichen Rahmen geschehen kann. Als Kompliment beinhaltet es eine verruchte Komponente, die vor allem in Zusammenhang mit jungen Mädchen unpassend sein kann. Der sexistische Aspekt des Ausdrucks kommt oft bei erwachsenen Frauen weniger gut an, wodurch das Kompliment nicht als solches aufgefasst wird. Die Bezeichnung als „Zuckerschnute“ kann das Herabwürdigen einer Frau auf erotische Merkmale junger Mädchen implizieren. Als ernstzunehmendes Kompliment erscheint es deshalb eher zweifelhaft und weniger beliebt bei der Damenwelt.

Andere Länder, andere Begriffe

In nicht deutschsprachigen Ländern findet sich keine direkte Übersetzung für den Begriff „Zuckerschnute“. Im englischen Sprachgebrauch wird von „Sweetie“ oder „Honey“ gesprochen. Im Französischen spricht man von „mon petit choux“, was so viel wie „mein kleiner Kohl“ bedeutet. In Italien ist die Rede von „cioccolatino“ oder „biscottino“, was zumindest, wie die „Zuckerschnute“, Süßes impliziert. Im Großen und Ganzen scheint die Verwendung von (süßen) Lebensmitteln in vielen Sprachen als Kompliment beliebt zu sein.

„Zuckerschnute“ in anderen Bereichen

Das Wort „Zuckerschnute“ wird, neben der Verwendung als Kompliment, auch in anderen Bereichen verwendet. Es impliziert mit Zucker besetzte Lippen und erfreut sich deshalb als Name von Süß- und Backwarenbetrieben großer Beliebtheit. Außerdem findet man Teesorten, Backzubehör, Gewürzmischungen und mehr unter dem Namen „Zuckerschnute“.

Heutzutage wird der Begriff „Zuckerschnute“ somit kaum noch als Kompliment männlicher Verehrer an ihre weiblichen Herzensdamen vergeben. Viel mehr wird der Ausdruck gerne von Frauen selbst benutzt, auf T-Shirts oder Tassen gedruckt, Schmucklinien danach benannt oder als Schriftzug auf einem Mund-Nase-Schutz getragen. Die „Zuckerschnute“ steht hier für Weiblichkeit, Schönheit und Unabhängigkeit.

„Duck face“ als moderne „Zuckerschnute“?

In den letzten Jahren hat sich durch die sozialen Medien ein Trend entwickelt, bei dem Nutzer auf ihren Selfies eine Schnute ziehen, das sogenannte „Duck face“. Übersetzt bedeutet das „Entengesicht“. Bei dieser Pose werden die Lippen fest zu einer Schnute gezogen, was im übertriebenen Fall wie ein Entenschnabel aussieht. Dies gilt als anziehend und Abbild eines hübschen Gesichtes. Zudem soll es Selbstironie und Komik reflektieren und Sympathie bei den Betrachtern erwecken. Im Grunde genommen könnte man das „Duck face“ als die moderne „Zuckerschnute“ bezeichnen, hübsch und anziehend, aber auch frech und kindlich.
Die „Zuckerschnute“ ist kein in die Jahre gekommener Begriff, sondern findet auch noch heute eine vielfältige Verwendung.

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