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Was bedeutet prüde? – Bedeutung & Beispiele im Alltag

Was bedeutet prüde

Der Duden definiert prüde wie folgt: „in Bezug auf Sexuelles unfrei und sich peinlich davon berührt fühlend“. Die reine Wortbedeutung ist also nur im sexuellen Sinne zu sehen.

Definition laut Sprachgebrauch

Nicht jedes Wort wird ausschließlich nach seiner eigentlichen Bedeutung gebraucht. Das kann jeder persönlich bezeugen, denn nur so kommt es zu Missverständnissen. Entweder ein Wort hat von vornherein zwei verschiedene Bedeutungen, so dass es in unterschiedlichen Kontexten gebraucht werden kann, das sogenannte Teekesselchen, oder es hat durch den Sprachgebrauch andere Bedeutungen neben der ursprünglichen gewonnen.

Denn nicht der Duden bestimmt die Wortbedeutung, sondern die Menschen machen die Wortbedeutung. So kommt es auch, dass die Bedeutung von Worten nicht festgeschrieben ist, sondern immer einem Wandel unterliegt (Sprachwandel). Wie stellt sich das Ganze nun bei dem Wort ‚prüde‘ dar? Der Duden beschränkt die Wortbedeutung einzig auf den sexuellen Bereich. Der Sprachgebrauch hingegen weitet die Bedeutung auch auf andere Bereiche aus. So steht prüde doch auch ganz allgemein für verschlossen bzw. zurückhaltend. Wenn eine Person Neuerungen immer eher kritisch oder sogar ängstlich gegenüber steht, könnte man diese durchaus als prüde bezeichnen. Ein gutes Synonym für prüde ist schamhaft. Hier sieht man deutlich, dass die Bedeutung häufig in Zusammenhang mit im weitesten Sinne sexuellen Inhalten gebracht wird, aber durchaus auch für Inhalte ganz anderer Natur verwendet werden kann. Zumindest geht es Hand in Hand mit Scham.

So werden zum Beispiel auch Personen, die ihrem eigenen Körper eher kritisch gegenüber stehen, als prüde bezeichnet. Ein gutes Beispiel: Zwei Frauen gehen ins Schwimmbad. Eine trägt einen modern designten Bikini, die andere einen funktionalen Sportbadeanzug. Die meisten würden wohl die Frau im Badeanzug als die prüdere bezeichnen. Und das obwohl wir in diesem Beispiel noch weit von sexuellen Inhalten entfernt sind. Aber die meisten Personen würden der Frau im Badeanzug mehr Schamgefühl zusprechen, weil sie ihren Körper stärker bedeckt. Jetzt könnte man mutmaßen, dass man ‚prüde sein‘ auch mit ’sich etwas nicht trauen‘ umschreiben kann, aber Vorsicht! Auf den ersten Blick scheint es sich hier um dieselbe Bedeutung zu handeln, aber ein Beispiel zeigt, dass ‚prüde sein‘ doch etwas spezieller ist: Zwei junge Schüler im Sportunterricht. Beide sollen nacheinander das Seil hoch klettern. Die Klasse schaut dabei zu. Der erste schafft es locker.

Der zweite weiß bereits, dass er es nicht schaffen wird und ihn alle anderen Schüler auslachen werden, also verweigert er die Aufgabe aus Scham. Trotzdem würde man den Schüler nicht als prüde bezeichnen. Ganz anders sähe es im Schwimmunterricht aus. Verweigert hier ein Schüler aus Scham die Teilnahme, würden die meisten das Wort ‚prüde‘ wohl als angemessen erachten.

Fazit

Man sieht also, die im Duden verzeichnete Wortbedeutung, die eng mit sexuellen Inhalten verknüpft ist, wurde durch den Sprachgebrauch zwar erweitert, aber nie ganz hinter sich gelassen. So kann man sagen, dass prüde ganz eng mit Scham verknüpft ist, die aber aus im weitesten Sinne sexuelle Inhalte berührenden Themen resultiert. Als ein Beispiel ist hier Nacktheit im Allgemeinen anzuführen. Synonyme zur Verdeutlichung sind ‚verklemmt‘ und ’schamhaft‘. Gegensätze zur Verdeutlichung sind ‚freizügig‘ und ’schamlos‘.