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Walachei Sprichwort einfach erklärt

Walachei Sprichwort einfach erklärt

Die heute im Süden Rumäniens gelegene Region Walachei ist Teil deutscher Sprüche und Sprichwörter geworden und beschreibt in einem solchen Zusammenhang entweder einen Ort, der möglichst weit weg sein soll, weil man sich sein anstrengendes Gegenüber dorthin wünscht, oder eine Gegend, die so öde, abgelegen und wenig modern ist, dass man dort vom Zeitgeschehen praktisch gar nichts mitbekommt. Dass einer tatsächlich existenten Region eine solche Bedeutung zugeschrieben wird, muss nichts mit ihrer tatsächlichen Beschaffenheit zu tun haben, sondern kann sprachgeschichtlich auch einfach aus dem etwas merkwürdigen Klang des Begriffes in Zusammenhang gebracht werden, der ja etymologisch auch mit dem „Wallach“ verbunden, also dem besonders als Arbeitstier eingesetzten „kastrierten Pferd“. Möglicherweise wurde aus diesem Grund die Walachei schon früh semantisch als ein abgelegener Ort definiert, oder eben als ein Ort, wo neben den üblichen – von Ackerbau und Viehzucht geprägten – Tagesabläufen nichts Außergewöhnliches geschieht.

„Jemanden fortwünschen“ in Redewendungen

Es existieren sehr viele Sprichwörter, die zum Ausdruck bringen, dass man sein Gegenüber am Liebsten an einen fernen Ort schicken möchte. Zu den bekannten Varianten zählen etwa: „Geh wohin der Pfeffer wächst“, „Geh zum Teufel“ oder Wendungen wie: „ich wollte ihn zum Mond schießen“. Mit Formulierungen die die Idee von „jemanden in die Walachei schicken“ aufgreifen (also so etwas wie „sie hat ihn in die Walachei geschickt“), wird semantisch etwas ganz ähnliches ausgedrückt, das sich allerdings etwas harmloser anhört als das erwähnte Beispiel mit dem Teufel. Auf einer anderen Bedeutungsebene, die in Form von Sätzen wie „ja lebst Du denn in der Walachei“ realisiert wird, bezeichnet die Walachei einen abgelegenen Ort, wie man es auch von der Wendung „mitten in der Pampa“ kennt, wobei die zuletzt genannte Formulierung sich eher auf die Abgelegenheit und weniger auf eine mögliche Rückständigkeit bezieht. Die Rückständigkeit wird im Gegensatz dazu bei Wendungen wie: „Du lebst ja hinter dem Mond“ äußerst deutlich.

Walachei und Pampa

Dabei ist natürlich gerade der Vergleich der Begriffe „Pampa“ und „Walachei“ aufschlussreich, da es sich ja bei beiden um tatsächlich existierende Regionen dieser Erde handelt. Im Falle der Pampa (spanisch „Pampas“) geht es um eine sehr weitläufige und fruchtbare Tiefebene, die sich von Argentinien über Uruguay nach Brasilien erstreckt. Auch hier steht zu vermuten, dass der Sprecher nicht unbedingt exakt diese Region vor Augen hat, wenn er die entsprechende Redewendung äußert. Aber dennoch weiß sowohl der Sprecher wie auch der Zuhörer genau, was für eine Sorte von Ort hier gemeint ist und erinnert sich möglicherweise daran, wie er sich mal verlaufen hat und irgendwie inmitten einer nicht enden wollenden Wiese „gestrandet“ ist. Natürlich lädt auch der fürs deutsche Ohr eher ungewöhnliche Klang von Pampa/Pampas dazu ein, dieses Wort in einem Zusammenhang von Ironisierung und Übertreibung zu verorten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Redewendungen, die das Wort „Pampa“ enthalten aktuell noch häufiger und sicher auch überregional verwendet werden, während die Walachei in der etwas herabwürdigenden Interpretation als „öder Ort“ nunmehr nicht mehr ganz so präsent ist. Aus der Betrachtung solcher Sprichwörter und Redewendungen lässt sich definitiv viel über die Sprach- und Kulturgeschichte lernen und über die Projektionen, die aus der kollektiven gesellschaftlichen Wahrnehmung entspringen.

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