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Rational denken, was bedeutet das? – Aufklärung & Beispiele

Rational denken, was bedeutet das

Der Begriff der Rationalität ist ein zentraler Bestandteil der westlichen Philosophiegeschichte und kann am Besten in Bezug zu dieser verstanden werden. Das rationale Denken bezieht sich dabei in der Antike auf eine Form der Reflektion, die den Menschen gegenüber den Tieren und Pflanzen auszeichnen soll und die den Zugang zu „gottgegebenen“ Ideen und abstrakten Konzepten erlaubt.

In der mittelalterlichen Philosophie fanden Rationalität und Logik insbesondere in Gottesbeweisen Anwendung, bis mit der frühen neuzeitlichen Philosophie das Individuum wieder in den Mittelpunkt rückte und später zur Zeit der Aufklärung auch die Grenzen der menschlichen Erkenntnis in Form einer Abkehr vom metaphysischen (also auf das „Göttliche“ gerichtete) Denken in den Blick genommen wurden. Insbesondere Immanuel Kant machte sich einen Namen als jemand, der die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis und damit auch ihre Grenzen untersuchte und die Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ betonte.

Der Begriff der Rationalität in Alltag und Forschung

Im Alltagsgebrauch wird das rationale Denken von der emotional geleiteten oder intuitiven Entscheidungskraft unterschieden. Interessant ist dabei, dass der Mensch dazu neigt, seine eigene Vernunftbegabtheit zu überschätzen und regelmäßig zum Opfer von Fehlschlüssen (fallacies) wird. Besonders diskutiert werden hier Phänomene, wie der sogenannte „Dunning-Kruger-Effekt“, der dafür sorgt, dass Menschen mit geringen Kenntnissen eines Fachgebietes dazu neigen, ihre Fähigkeiten deutlich zu überschätzen und im Rahmen der Lernkurve schließlich erst nach längerer Zeit beginnen, sich der Grenzen ihrer Einsicht und Logik bewusst zu werden.

Rationales Denken kann erfordern, dass man sich die Gegenpositionen und deren Ursachen bewusst macht und dass man manchmal auch bereit ist, die eigenen Hypothesen zu hinterfragen und die eigenen Ansichten zu ändern. Aus diesem Grund ist wirkliche Rationalität ein komplexer und kommunikativer Prozess. Da es einfacher sein kann, sich in seinem gewohnten Urteilsspielraum zu bewegen, nehmen manche Menschen die Herausforderung des rationalen Denkens ungerne an und bewegen sich lieber weiter im Bereich unhinterfragter Privilegien.

Die Rationalität der Intuition

Entscheidend ist darüber hinaus die Tatsache, dass das menschliche Arbeitsgedächtnis Informationen nur begrenzt speichern kann. Hieraus ergab sich in der zeitgenössischen neurowissenschaftlichen Diskussion die Frage, ob rationales Denken immer bewusstes Denken ist, oder ob nicht die Intuition als unbewusste Form der Rationalität rehabilitiert werden muss. Tatsächlich zeigen Forschungen, dass gerade komplexe Entscheidungen mit Hilfe der Intuition wesentlich rationaler getroffen werden, als in der bewussten Abwägung.

Bei sehr komplexen Prozessen, wie etwa der Entscheidung für den Erwerb eines Autos, wird daher empfohlen „nach Gefühl“ oder „intuitiv“ zu entscheiden, da man hier zu einem rationaleren Ergebnis kommt als das bei langwierigem bewusstem Abwägen jemals der Fall sein könnte. Schwierig ist natürlich, dass sich Intuition nur schlecht messen lässt; auch wenn Aha-Effekte und intuitive Erkenntnisse seit Ewigkeiten zu neuen Entdeckungen führen, fällt es den Menschen dennoch schwer, sich auf die Rationalität der eigenen Intuition oder des sogenannten „Bauchgefühls“ zu verlassen. Das hat sicher etwas damit zu tun, dass diese Form des Denkens über viele Jahrhunderte eine Abwertung erfahren hat und im Bereich von Schule und Studium wenig bis gar nicht gefördert wird. Das ist definitiv ein wesentlicher Ansatzpunkt für zukünftige Forschung und ein Vorankommen im Bildungsbereich.