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ppa. Abkürzung – Bedeutung, Übersetzung & Beispiele

ppa. Abkürzung - Bedeutung, Übersetzung & Beispiele

Die Abkürzung ppa. steht für per procura und stammt aus dem Lateinischen von procurare. Wortwörtlich übersetzt heißt dies „für etwas Sorge tragen“. Rechtlich bedeutet ppa. eine besondere Form der Handlungsvollmacht und wird als Prokura bezeichnet. Der juristische Begriff ist im Handelsgesetzbuch (HGB) definiert und in den §§ 48 ff. HGB weiter erläutert.

Den Zusatz ppa. findet man auf Geschäftsbriefen oder in Verträgen. Der Bevollmächtigte hat seiner Unterschrift die Abkürzung hinzuzufügen, um zu dokumentieren, dass er als Prokurist handelt und berechtigt ist, den Geschäftsinhaber vollumfänglich zu vertreten.

Wo findet die Prokura Anwendung?

Nur von einem Inhaber eines Handelsgeschäfts oder deren rechtsgeschäftlichen Vertretern darf die Prokura erteilt werden. Typische Arten von Handelsgesellschaften sind die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die Kommanditgesellschaft (KG), die Aktiengesellschaft (AG) und die eingetragene Genossenschaft (e. G.). Bei Einzelunternehmen ist keine Prokura erlaubt, weiterhin nicht bei stillen Gesellschaften und nicht eingetragenen Vereinen.

Die Prokura muss von einer geschäftsfähigen Person ausgeübt werden, eine Firma kann dies nicht übernehmen. Der Umfang der Vollmachtserteilung ist gesetzlich genau festgelegt. Sie hat den Zweck, den Firmeninhaber zu entlasten. Im Außenverhältnis gilt sie unbeschränkt, kann im Innenverhältnis jedoch begrenzt werden. Der Unternehmer wird deshalb eine Person in seinem Betrieb auswählen, der er vertraut und der seine Firmenphilosophie teilt.

Was bedeutet Prokura inhaltlich?

Die Befugnisse der Prokura ergeben sich aus den handelsrechtlichen Vorschriften. Danach ist der Prokurist berechtigt alle Geschäftshandlungen vorzunehmen, die ein Handelsunternehmen mit sich bringt. Personalangelegenheiten, auch Einstellungen und Kündigungen, gehören ebenso dazu, wie die Vertretung der Firma vor Gericht. Das beinhaltet Prozesse zu führen und Vergleiche abzuschließen. Ebenso erhält der Bevollmächtigte umfassende finanzielle Handlungsfreiheit und kann Verbindlichkeiten eingehen, Darlehen aufnehmen und Bürgschaften erteilen.

Grundstücksgeschäfte dürfen nur getätigt werden, wenn sie dem Prokuristen ausdrücklich gestattet wurden.

Die Prokura wird sofort mit Erteilung rechtlich wirksam, sie muss zusätzlich noch in das Handelsregister eingetragen werden. Dem Vermerk im Handelsregister kommt lediglich klarstellende Bedeutung zu.

Welche Arten der Prokura gibt es?

Es wird zwischen drei Arten der Prokura unterschieden. Die Einzelprokura wird durch eine Person alleine ausgeübt.

Bei der Gesamtprokura können nur zwei oder mehrere Bevollmächtigte gemeinsam das Rechtsgeschäft abschließen. Dies ist zusätzlich im Handelsregister anzugeben, um Geschäftspartner zu schützen, die ansonsten von einer Einzelprokura ausgehen könnten.

Im Gesetz wird noch die sogenannte Filialprokura erwähnt. Die Vollmacht ist auf eine Niederlassung der Firma beschränkt, wobei die Niederlassung als gesonderte Firma betrieben werden muss. Dies gilt auch für eine Zweigniederlassung, dabei ist es ausreichend, dass sie mit einem Zusatz als Zweigniederlassung bezeichnet ist. Beispielsweise „Geschäftsstelle Köln-Ehrenfeld“.

Wo sind die Grenzen der Prokura und wann erlischt sie?

Geschäfte, die nur vom Geschäftsinhaber selbst ausgeführt werden dürfen, können nicht übertragen werden. Dazu zählen Handlungen, die eine Änderung des Unternehmens bewirken. Eine Umfirmierung fällt genau so darunter, wie die Einstellung des Geschäftsbetriebes. Weiterhin sind vom Unternehmer die Bilanzen und Steuererklärungen persönlich zu unterzeichnen. Eintragungen ins Handelsregister zu veranlassen oder eine Insolvenz zu beantragen sind ebenfalls dem Firmenchef vorbehalten.

Die Erteilung der Prokura kann vom Unternehmer jederzeit widerrufen werden. Die Vollmacht endet ebenfalls beim Ausscheiden des Prokuristen aus der Firma, sei es durch Kündigung, Tod oder Auflösung des Unternehmens. Durch den Tod des Geschäftsinhabers erlischt die Prokura nicht automatisch. Ebenso nicht beim Verkauf des Betriebes. Der Prokurist kann für die Rechtsnachfolger weiterhin handeln.

Die Beendigung der Prokura ist im Handelsregister einzutragen, um Dritte über die Änderung offiziell zu informieren.

Was unterscheidet die Prokura von einer allgemeinen Handlungsvollmacht?

Abzugrenzen ist die Prokura von anderen allgemeinen Vollmachten. Formal ist allein die Prokura im Handelsregister anzumelden.

Handlungsvollmachten umfassen Befugnisse, die für den Betrieb des Handelsgewerbes gewöhnlich und auf einen kleinen Geschäftsbereich beschränkt sind. Sie sind nicht so weitreichend, wie die Prokura. Bei Unterschriften für den Betrieb sind sie an der Mitzeichnung „i. V.“ (in Vertretung) und „i. A.“ (im Auftrag) zu erkennen.

Weiterhin muss der Handlungsbevollmächtige nicht zwingend in dem Unternehmen beschäftigt sein. Die Handlungsvollmacht ist im Gegensatz zur Prokura mit Zustimmung des Geschäftsinhabers übertragbar. Daher ist es möglich, dass auch ein Prokurist einen Handlungsbevollmächtigen bestimmt. Zum Beispiel kann ein Prokurist einen Rechtsanwalt für die Führung eines gerichtlichen Prozesses beauftragen.