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Fachbegriff & Fremdwort – was ist der Unterschied?

Fachbegriff & Fremdwort - was ist der Unterschied

Der Unterschied zwischen einem Fremdwort und einem Fachbegriff liegt in der Herkunft und im Gebrauch des Begriffes. Ein Fremdwort muss kein Fachbegriff sein und ein Fachbegriff muss kein Fremdwort sein. Das Fremdwort kommt aus einer anderen Sprache und kann meist ins Deutsche übersetzt werden, der Fachbegriff entstammt einer akademischen Disziplin oder einer bestimmten Berufssparte (z. B. Medizin, Biologie, Informatik, Tischlerei, Schlosserei usw.). Der Fachbegriff zeigt etwa Kollegen, dass ich in einer bestimmten Disziplin zuhause bin, sie studiert habe oder sie beruflich ausübe. Jäger haben ihre ganz bestimmten Begriffe, und Informatiker sprechen ebenfalls ihr Fachchinesisch. Das ist innerhalb des Fachs von großem Nutzen, weil man oft mit wenigen Worten komplexe Sachverhalte erklären kann. Diese Sachverhalte sind „Insidern“ bekannt, Außenstehende tun sich gegebenenfalls sehr schwer damit. Die Fachbegriffe sind aber notwendig, um sich innerhalb einer Berufssparte mit Kollegen auf beruflich angemessenem Niveau verständigen zu können und nicht alles von Grund auf neu erklären zu müssen.

Anwendung und Beispiele

Wenn ich etwa als IT-Fachmann von SYN- und ACK, von DENY und „Ausnahmen“ spreche, erkennt mein Berufskollege sofort, dass ich von Firewall-Regeln spreche. Die Mediziner bauen auf lateinische Fachbegriffe, da sie sich so auch über sprachliche Barrieren hinweg mit anderssprachigen Ärzten verständigen können. Die medizinischen Fachbegriffe muss ein Arzt beherrschen, da er sonst keine fremdsprachigen Studien verstünde und auch die Fachliteratur nicht lesen könnte. Ein Fachfremder benötigt zum Verständnis medizinischer Fachliteratur entweder einen Übersetzer oder muss sich die Begriffe von einem Arzt erklären lassen.

Medizinische Fachbegriffe erkennt man an ihrer lateinischen Herkunft, die durch deutsche Beugungen (Deklinationen) „erträglicher“ gemacht werden, etwa wenn der Arzt sagt, ein Kind sei „asphyktisch“: Die Endung ist deutsch, der Fachbegriff ist hier auch ein Fremdwort (Asphyxie = Kurzatmigkeit). Wenn der Arzt sagt, er müsse den Patienten „auskultieren“, will er ihn abhorchen. Dazu verwendet er sein Stethoskop, aber es wird ihm kaum einfallen, es jedes mal als „Diagnosewerkzeug zur Beurteilung von Schallphänomenen“ bezeichnen. Kurz und klein gilt die Regel: Fremdwörter sind relativ einfach ins Deutsche zu bringen, Fachbegriffe bezeichnen dagegen oft einen Sachverhalt, den man nicht mit einem einzigen deutschen Wort wiedergeben kann.

Ein wichtiger Hinweis

Die absichtliche Verwendung von Fremdwörtern kann als unangenehme Geckerei wirken, der Gebrauch von Fachbegriffen dagegen ist der Notwendigkeit angemessener Verständigung zwischen Berufskollegen geschuldet.

Erklärungen

Ein Fachbegriff ist anders als ein Fremdwort nicht immer mit einem deutschen Wort wiederzugeben, da manche Disziplinen auf „fremdem Boden“ entstanden sind und die Begriffe einfach bis heute übernommen worden sind. Es wäre grotesk, wollte man die Begriffe, die in der Informationstechnologie meist in englischer Sprache etabliert sind, ins Deutsche übersetzen – die Verwirrung wäre heillos. Ich kann zwar von einer Brandmauer sprechen, aber nicht jeder wird sofort verstehen, dass hier die Firewall gemeint ist. Es gibt freilich Ausnahmen: Aktualisierung des Betriebssystems versteht jeder, da muss man nicht vom „Update“ sprechen. Aber dort, wo es etwa um Konfigurationsprobleme bei Großrechneranlagen geht, wird es niemandem einfallen, die Fachbegriffe ins Deutsche zu bringen. Ein Fremdwort dagegen kann man mit entsprechendem Wissen und gutem Willen durchaus eindeutschen.

Verwendung – ja oder nein?

Der Sprach- und Literaturwissenschaftler Eduard Engel etwa hat um die vorige Jahrhundertwende ein „Verdeutschungswörterbuch für Amt, Schule, Haus und Leben“ verfasst und gezeigt, dass so gut wie jedes Fremdwort auch mit einem deutschen Begriff wiederzugeben ist. Freilich kann das auch zur „Deutschtümelei“ werden, etwa dort, wo man in DDR-Manier eine Waffel oder Schnitte als „Haselnusspressreinling“ wiedergibt, also für jeden Begriff mit Gewalt eine deutsche oder deutsch klingende Entsprechung sucht. Das sollte man vermeiden wie sein Gegenteil, den gesuchten Gebrauch von Fremdwörtern, denn das klingt stolz und anmaßend (prententiös). Einem Fremdwort sieht man das Fremde manchmal nicht mehr an, und zwar dort, wo es sich so stark eingebürgert hat, dass es als Lehnwort das deutsche Wort manchmal verdrängt, z. B. Realität für Wirklichkeit. Einem Fachbegriff dagegen sieht man meist sofort an, dass es auf eine berufliche Disziplin hinweist.